Im Iran stürzt in diesen Tagen vielleicht eine islamisch-fundamentalistische Regierung. Der Ausgang ist noch unklar und hängt auch vom iranischen Volk ab. Immerhin ist das Teheraner Regime – jedenfalls in Washington und Jerusalem – seit langem als Gegner der eigenen Gesellschaftsordnung erkannt. Anders steht es mit der islamischen Bedrohung in Europa, die noch immer zum großen Teil gar nicht als solche gesehen wird.
Das führt ein neuer Bericht zur „Muslimbruderschaft in Europa“ vor Augen, herausgegeben diesmal vom israelischen Ministerium für Diaspora. Stützen kann sich der Bericht auf ältere Studien anerkannter Experten wie Lorenzo Vidin und Sergio Altuna (The Muslim Brotherhood’s Pan-European Structure, 2021) oder auch den Bericht des schwedischen EU-Abgeordneten Charlie Weimers (Network of Networks: The Muslim Brotherhood in Europe, 2021). Im letzten Frühjahr hatte die französische Regierung einen entsprechenden Bericht herausgegeben.
Der israelische Bericht, dem es natürlich auch um ungute Verbindungen ins eigene Land geht, nimmt ein bekanntes Paradoxon auseinander: Während die von der Muslimbruderschaft ausgehende Gefahr in der Herkunftsregion meist klar gesehen wird, hat sich Europa als sicherer Hafen der angeblich Verfolgten gezeigt und erweist sich darin wieder einmal als blauäugig für importierte Bedrohungen aller Art.
Zahlreiche arabische Länder haben die Muslimbrüder als terroristische Organisation eingeordnet, darunter Ägypten, Saudi-Arabien (obwohl es hier derzeit Bewegung gibt), die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Jordanien. Der Grund ist die sozialrevolutionäre Ausrichtung der Muslimbrüder: „Das übergeordnete Ziel der Bewegung ist eine grundlegende Umgestaltung der sozialen und politischen Strukturen in den Staaten, in denen sie tätig ist.“
Der Staat Katar nimmt laut dem israelischen Bericht eine Mittelstellung ein: Zwar bekennt er sich nicht offen zu dem Netzwerk, unterstützt es aber tatkräftig, sei es durch die Aufnahme der Hamas-Anführer im eigenen Land oder durch die Tätigkeit des staatlich finanzierten Mediennetzwerks Al Jazeera. An diese Stelle im System scheint sich nun auch Saudi-Arabien zu bewegen. Die Türkei wird in dem Bericht eher unauffällig als einer der Hauptsponsoren der Brüder eingeführt. Zusammen mit Katar habe sie andere Golfstaaten als wichtigste Geldgeber abgelöst.
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