Einige Tage läuft sie bereits, die amerikanisch-israelische Operation „Epic Fury“, die sich vorrangig gegen militärische Ziele im Iran richtet. Der Einsatz war absehbar und hatte sich bereits früh abgezeichnet: Verlegung von Flugzeugträgern in die Golfregion und an die Levante-Küste, Zielauswahl durch die Nachrichtendienste (dieser Teil dauert, wenn man es richtig macht, einige Wochen). Dann schlugen die Amerikaner und Israelis zu. In den immer dramatischer werdenden Verhandlungen war das Regime in Teheran augenscheinlich nicht bereit, sein nukleares Bewaffnungsprogramm einzustellen.
Nüchtern betrachtet darf man sagen: Die Operation ist im israelischen Interesse, denn die Kernwaffen-Bestrebungen gegen den Iran richten sich primär gegen den jüdischen Staat. Auch mit seinen Handlangern – der Hamas, der Hisbollah, den Huthis – mischt der Iran seine Nachbarstaaten auf und sägt konsequent am Status Quo in der Region. Teheran ist mindestens ein Unruhestifter, womöglich sogar eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der US-Verbündeten in der Region. Es ist auch ein enger Partner der US-Rivalen China und Russland. Die Operation ist also auch im amerikanischen Interesse. Gilt deshalb die Faustregel, dass, was für Washington gut ist, auch für Berlin nicht schlecht sein kann? In diesem Fall lautet die Antwort: Nein. Einen strategischen Vorteil für Deutschland kann ich in diesem Irankrieg nicht erkennen.
Einigkeit darüber, dass das Mullah-Regime ein gefährliches, bösartiges, ohnehin erklärt islamistisches ist, ist schnell erzielt. Wer kann ernsthaft Gegenteiliges behaupten? Der innenpolitische Freiheitskampf der Iraner geht uns nahe. Iranische Exilanten verdienen Sympathie, Unterstützung und Gehör, sie zählen zu den vorbildlichsten Einwanderergruppen in allen westlichen Ländern. Dass von allen Völkern ausgerechnet die klugen und weltgewandten Iraner in der Geiselhaft des Islamismus leben, ist eine historische Ungerechtigkeit ohnegleichen. Und doch kann seriöse Geopolitik und eine interessengeleitete Strategie niemals nur auf Sympathiebekundungen und moralischen Impulsen aufbauen.
Der Mehrheit der deutschen Politik und Medien fehlt gegenwärtig die Nüchternheit, um das Geschehen überhaupt richtig einzuordnen. Dass die Mullahs eins auf die Mütze bekommen, befriedigt kurzfristig das Bedürfnis nach Gerechtigkeit. So, wie die Militäroperation abläuft und wie sie angelegt ist, schürt sie aber genau an dieser Stelle unhaltbare Hoffnungen und ermöglicht Versprechungen, die den leidenden Iranern gegenüber auch kaum eingehalten werden können. Aus europäischer Sicht ist sie zudem ein mögliches Eigentor.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











