Von Baumringen und Hockeyschlägern – wie ein kanadischer Forscher das Fundament aller Klima-Politik erschütterte

vor etwa 2 Monaten

Von Baumringen und Hockeyschlägern – wie ein kanadischer Forscher das Fundament aller Klima-Politik erschütterte
Bildquelle: NiUS

Die globale Klimapolitik basiert auf einer Temperaturgeschichte der vergangenen 1000 bis 2000 Jahre. Diese wiederum beruht größtenteils nicht auf direkten Messungen, sondern auf statistischen Rekonstruktionen aus sogenannten Proxydaten – insbesondere aus Baumringen. Schon früh gerieten diese Rekonstruktionen in die Kritik.

Interne E-Mails führender Autoren des Weltklimarats IPCC sowie statistische Kontroversen offenbarten methodische Probleme an den Fundamenten jener Berichte, die bis heute die Grundlage milliardenschwerer Klimapolitik bilden. NIUS rekonstruiert die nachweislichen Schwächen dieses Paradigmas anhand jener E-Mails sowie der Peer-reviewten Überprüfung seines frühesten prominenten Kritikers: des kanadischen Mathematikers und Bergbauspezialisten Stephen McIntyre.

Das Grundprinzip des Hockeyschlägers regiert die Wissenschaft bis heute. Gemeint ist eine Temperaturkurve, die über fast tausend Jahre nahezu waagerecht verläuft und erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abrupt und steil ansteigt – wie ein Hockeyschläger mit langem Schaft und nach oben ragender Kelle. Auch neuere Rekonstruktionen und IPCC-nahe Studien produzieren dieselbe grafische Form. Sie gilt als der ultimative Beweis für einen durch die industrielle Revolution ausgelösten exorbitanten Klimawandel.

Das im Dritten Weltklimabericht von 2001 veröffentlichte „Hockeyschläger-Diagramm“ erhielt seinen Namen aufgrund der Ähnlichkeit seiner Kurve mit der Form eines Hockeyschlägers.

Wenn der Hockeyschläger stimmt, hat die Klimapolitik recht. Doch was, wenn er das nachweislich nicht tut? Sie hinge in der Luft.

Rund 390 Milliarden muss Deutschland nach Angaben der Bundesbank zwischen 2021 und 2030 jährlich investieren, um die Klimaziele zu erreichen. Da sind die mehr als 500 Milliarden Euro für die „Energiewende“, die Deutschland den teuersten Strom Europas und eine fortschreitende Deindustrialisierung beschert hat, nicht eingerechnet.

All das basiert letztlich auf einer historischen Behauptung: Die heutige Erderwärmung sei beispiellos und durch den CO2-Ausstoß des Menschen seit Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Plausibel wurde sie durch den Hockeyschläger, der zum ikonischen Bild der Klimamoderne wurde.

Vor der Jahrtausendwende war das noch anders. Im IPCC-Bericht von 1990 ist die mittelalterliche Wärmeperiode noch genauso enthalten wie die Kleine Eiszeit.

IPCC-Bericht „Climate Change“, 1990.

Man ging noch selbstverständlich von natürlichen Klimaschwankungen aus, orientiert an handfesten historischen Quellen, etwa aufgeschriebenen Chroniken und Gletscherständen. Aus diesen Quellen, die die klimatischen Entwicklungen nicht auf die Gradzahl genau zu bestimmen behaupten, aber die klimatischen Veränderungen in groben Zügen eben doch darzustellen vermögen, entstand die ältere IPCC-Darstellung.

Dann die Veröffentlichung einer Studie, die ein neues Paradigma einleitete: Michael E. Mann, Raymond S. Bradley und Malcolm K. Hughes veröffentlichen 1998 in Nature den Prototypen des Hockeyschlägers, für den sie die Temperaturen der Nordhalbkugel über etwa 600 Jahre anhand von Proxydaten rekonstruierten, nämlich vor allem von Baumringen, Eisbohrkernen und Korallen. 1999 erweitern sie die Darstellung auf 1000 Jahre. Hier entstand die ikonische Form: lange stabile Temperaturen, kleine Schwankungen, dann ab dem Industriezeitalter ein abrupter Anstieg. Die Botschaft, die bis heute die globale Klimapolitik trägt: tausend Jahre Stabilität, dann Industrialisierung, dann die Temperatur-Explosion.

Wenige Jahre nach Erscheinen des IPCC-Berichts betritt ein kanadischer Mathematiker und Bergbauspezialist die Bühne. Stephen McIntyre stammt nicht aus der institutionalisierten Klimawissenschaft, sondern aus der Rohstoff- und Bergbauindustrie. Drei Jahrzehnte lang befasste er sich dort mit der statistischen Auswertung geologischer Daten. Er arbeitete also in einem Feld, in dem aus unvollständigen und „verrauschten“ Messdaten auf reale physische Phänomene geschlossen wird.

Ihm habe sofort eingeleuchtet, dass die „Proxy-Daten wie Bohrkerne betrachtet werden mussten“, schreibt er in seiner Kurzbiographie. „Die Erfahrung in der Branche der Rohstoffexploration lehrt einen schnell, wie wichtig Rohdaten und ihre sorgfältige Überprüfung sind; dass man sie geduldig auf Anomalien hin untersuchen muss – und wie entscheidend und mächtig hübsch präsentierte Grafiken sind.“

McIntyre drang tief in die Daten und statistischen Methoden der Hockeyschläger-Rekonstruktion ein – und kam dabei zu brisanten Ergebnissen, die Peer-reviewed (also durch unabhängige Wissenschaftler begutachtet) in einer Fachzeitschrift erschienen. Gemeinsam mit Ross McKitrick problematisierte er unter anderem einen „Standardisierungsschritt“, „den die Autoren zum Zeitpunkt ihrer Studie offenbar nicht einmal für wichtig genug hielten, um ihn offenzulegen“, obwohl er „die resultierenden Hauptkomponentenreihen erheblich beeinflusste“.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von NiUS

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von NiUS zu lesen.

Weitere Artikel