Inflation: Benennung desselben Wertes mit größeren Zahlen

vor etwa 2 Monaten

Inflation: Benennung desselben Wertes mit größeren Zahlen
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Europäische Zentralbank behauptet seit Jahren, sie sichere mit ihrer Politik die Geldwertstabilität im Euro-Raum. Die offiziellen Inflationszahlen scheinen ihr Recht zu geben: meist sind es niedrige Teuerungsraten, zeitweise sogar mit Deflationsängsten verbunden. Doch für viele Bürger fühlt sich diese angebliche Stabilität völlig anders an. Wohnen wird unbezahlbar, Vermögensaufbau immer schwieriger, die Ersparnisse verlieren an Wert und die Reallöhne treten trotz harter Arbeit im günstigsten Fall auf der Stelle. Der Leipziger Ökonom Prof. Dr. Gunther Schnabl beschreibt dieses Auseinanderklaffen von offizieller Statistik und Lebenswirklichkeit als Folge eines Systems, das Kaufkraftverluste statistisch kaschiert und dadurch eine immer expansivere Geldpolitik legitimiert.

Besonders deutlich wurde dieser Widerspruch während der Corona-Krise. Während viele Menschen steigende Preise bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs wahrnahmen, meldeten die Statistikbehörden sinkende Inflationsraten. Der Grund: Im Warenkorb wurden gleichzeitig Güter berücksichtigt, die während der Lockdowns kaum noch konsumiert wurden – etwa Benzin oder Reisen –, deren Preise zeitweise fielen. Aus dieser statistischen Konstruktion leitete die EZB die Rechtfertigung für gigantische Anleihekäufe im Umfang von über 1.300 Milliarden Euro ab. Offiziell ging es um Preisstabilität. Tatsächlich, so Schnabl, diente die Geldflut vor allem der Stabilisierung überschuldeter Staaten, Banken und Unternehmen.

Das Grundproblem liegt tiefer: Die offizielle Inflationsmessung blendet zentrale Lebensrealitäten aus. Immobilienpreise etwa tauchen im europäischen Verbraucherpreisindex praktisch nicht auf. Und das, obwohl Wohnen für Millionen Menschen der größte Kostenfaktor ist. Während die EZB von niedriger Inflation spricht, explodieren in vielen Städten die Immobilienpreise und damit auch die Hürden für junge Familien und Durchschnittsverdiener. Wer bereits Vermögen besitzt, profitiert, zumindest nominell, von der Geldpolitik. Denn der Wert seiner Immobilie verändert sich nicht. Es verändern sich nur die Zahlen, die den Wert bezeichnen. Wer allerdings Vermögen aufbauen will, wird das nur schwerlich erreichen können.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel