„Wir brechen zusammen und Spanien lässt uns im Stich.“ Das ist seit langer Zeit die zentrale Botschaft, die von den Kanaren an Madrid geht. Jacob Qadri, der Vorsitzende der Mitte-rechts-Partei PP, wirft der Zentralregierung „Untätigkeit“ vor und meint, dass diese Form der unterlassenen Hilfeleistung in einer „Migrationskrise schwerwiegende Folgen“ für die Kanaren habe. Das ist ohne Zweifel richtig. Die Frage wird sein, in welcher Richtung die spanische Regierung hier wirken müsste. Und leider ist von der linken Regierung des Pedro Sánchez eine bestimmte Aktion nicht zu erwarten: wirksame Schritte gegen die Überflutung der Kanaren durch illegale Bootsmigranten aus Marokko, Mauretanien, dem Senegal, aber auch Mali. Das ginge offenbar nur mit Abschreckung, denn schöne Worte des Premiers bei Reisen nach Nordafrika und Geldzahlungen an die Länder (von der EU) haben beide keinen durchschlagenden Erfolg gehabt.
2024 kamen laut offizieller Zählung 46.843 illegale Migranten auf den Kanaren an, und es könnten noch mehr sein. Das waren noch einmal 17,4 Prozent mehr als im Vorjahr gezählt wurden, Frontex misst eine Steigerung von 19 Prozent. Dabei waren schon die damaligen 39.910 Ankünfte ein vorher nie erreichter Rekordwert. Dagegen kamen auf dem Festland und den spanischen Inseln des Mittelmeers nur etwas mehr als 17.000 Migranten an. Insgesamt waren es 63.970 illegale Einreisen in ganz Spanien innerhalb eines Jahres.
Es landeten also dreimal mehr Illegale auf den Kanaren als an den übrigen Küsten des Landes. Allein über die Weihnachtstage erreichten 1.700 Personen die Kanarischen Inseln in den kleinen Booten, wovon 500 auf hoher See gerettet wurden. Die Kanaren sind aber nicht wirklich ausgerüstet und in der Lage, die Ankömmlinge angemessen unterzubringen. Ein Problem entsteht hier vor allem mit den (vermeintlich) Minderjährigen, die aus gewissen bürokratischen Gründen nicht einfach so in einen Flieger aufs Festland gesetzt werden können. Vor allem sie – aber nicht nur sie – stauen sich dauerhaft auf den Kanaren.
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