Es geht um mehr als die Wurst. Die Verbraucher sind irritiert. Während die Vertreter einer veganen Ernährung darüber streiten, ob durch lebensmitteltechnisch anspruchsvolle Verfahren hergestellte Ersatzprodukte für Fleisch auch Schnitzel oder Wurst heißen dürfen, behaupten andere Aktivisten, dass hochstehende Verarbeitung von Lebensmitteln diese zu gesundheitsschädlichen Produkten macht, die den Konsumenten mit frühzeitigem Tod bedrohen. Es ist ein Zwei-Fronten-Krieg, der mit Behauptungen geführt wird.
Die Ernährungswissenschaft, die sich sachlich mit Inhalten der Nahrung beschäftigt, spielt in der aktuellen Ernährungsdiskussion eine zunehmend unbedeutende Rolle. Es ist ein dominanter Trend, dass die Ernährungsdiskussion heute primär durch Ideologie bestimmt wird. Wie realitätsfern die Diskussionen geworden sind, zeigen die Kontroversen über vegetarische und vegane Ersatzprodukte auf der einen Seite und parallel die ideologisch motivierten Angriffe gegen die Lebensmittelwirtschaft auf der anderen Seite. Die Kämpfer für die angeblich gesunde Ernährung nehmen sich selbst die Butter vom Brot.
Es wird mit Sendungsbewusstsein propagiert, dass Nahrungsmittel pflanzlich basiert sein sollten. Vegetarisch oder besser noch vegan soll die politisch korrekte Ernährung sein. Das steht in einem diametralen Gegensatz zu dem Frontalangriff auf die verarbeitenden Unternehmen in der Lebensmittelwirtschaft, die angeblich durch ihre Verarbeitung den Verbraucher in seiner Gesundheit schädigen. Es bleibt dabei nämlich ein Rätsel, wie ohne eine hochstehende Verarbeitung aus Erbsen ein Schnitzel werden soll. Weder Hausfrau noch Koch können mit traditionellen Methoden der Küche aus frischen Erbsen einen Burger machen. Das kann nur technologisch hochstehende Fertigung. Und ist das hochverarbeitete Ersatzprodukt aus Erbsen überhaupt ein Schnitzel oder die kunstvoll aus Tofu hergestellte Paste im Darm eine Wurst?
Das Europaparlament hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass vegetarische Fleischersatzprodukte künftig nicht mehr Burger, Schnitzel und Wurst heißen sollen. Am 8.10.2025 wurde in Straßburg für eine entsprechende Gesetzesänderung gestimmt. Die Entscheidung ist allerdings nicht endgültig, sie geht nun in die Verhandlungen mit den 27 EU-Ländern.
Bislang dürfen Begriffe wie Wurst, Schnitzel oder Namen anderer typischer Fleischlebensmittel auch für pflanzliche Alternativen verwendet werden. „Für vegane und vegetarische Lebensmittel gibt es keine rechtlich vorgeschriebenen Bezeichnungen, daher können aktuell allgemein übliche oder beschreibende Bezeichnungen verwendet werden“, stellt sachlich ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums fest, das in seiner Neubesetzung nicht mehr eine Organisation ideologischer Volkserziehung ist.
Verbraucherschützer halten wenig von dem Vorhaben. Der Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Chris Methmann, spricht von „Lobbyismus in den Diensten der Fleischindustrie“. Niemand kaufe versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaube, es seien Rinderwürste. Während diese Agitations-Truppe in ihren Kampagnen gegen die Industrie regelmäßig fordert, den Produkten einen detaillierten Beipackzettel mitzugeben, ist die Nomenklatur bei veganer Ware offenbar unerheblich.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











