NHS England, das dortige staatliche Gesundheitssystem, hat neue Verschreibungen von Geschlechterhormonen für 16- und 17-Jährige, die Zweifel an ihrer Geschlechtsidentität haben, vorerst ausgesetzt. Auslöser war eine Überprüfung, die frühere Studien zu Nutzen und Risiken der Medikamente als kaum verwertbar bezeichnete.
Die Hormone fördern Merkmale des gewünschten Geschlechts statt des biologischen und verursachen oft irreversible Veränderungen wie Stimmvertiefung oder Brustwachstum. Bereits behandelte Jugendliche erhalten ihre Medikamente weiter, doch ihre Ärzte müssen die Therapien überprüfen. Unter-16-Jährigen waren sie nach bestehender Regelung ohnehin verwehrt. Betroffen sind insgesamt nur wenige Patienten. NHS England will vermeintlich oder tatsächlich Betroffenen nun psychologische Alternativen in drei spezialisierten Kliniken anbieten.
Die Maßnahme knüpft an den Bericht von Dr. Hilary Cass (April 2024) an, der eine „bemerkenswert schwache Evidenz“ zur Wirksamkeit bei in diesem Bereich bisher vorgenommenen medizinischen Eingriffen bemängelte. NHS England beauftragte daraufhin 10 unabhängige Gutachten zu Testosteron und Östrogen. Das Fazit: Es fehlen belastbare Daten, um Nutzen oder Schaden klar zu belegen. National Medical Director Prof. James Palmer erklärte: „Die NHS hat äußerste Vorsicht walten lassen, als sie über den Beginn dieser Behandlung bei Jugendlichen nachdachte.“ Die Evidenz rechtfertige keine Routineverordnungen bei unter 18-Jährigen mit Geschlechtsdysphorie, da weder Wirksamkeit noch Risiken sicher bewiesen seien.
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