Geheimnisvolle Spurensuche: Die Marien-Ikone des Heiligen Lukas

vor etwa 1 Jahr

Geheimnisvolle Spurensuche: Die Marien-Ikone des Heiligen Lukas
Bildquelle: Tichys Einblick

Thomas von Aquin hielt in seiner Summa Theologiae fest: „Die Apostel haben manches, was der Herr gelehrt hatte, mündlich unter dem Beistand des Heiligen Geistes den Gläubigen überliefert, ohne es der Schrift anzuvertrauen. … Deshalb heißt es im zweiten Brief des Paulus an die Thessalonicher: ‚Seid also standhaft, Brüder, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief.‘“ Auch die Verehrung der Bilder zähle zu diesen Überlieferungen wie jener, „dass der heilige Lukas ein Bild gemalt haben soll, welches zu Rom aufbewahrt wird.“

Der Vorgabe, dass für den Glauben der Christen neben der Heiligen Schrift auch die Überlieferung wesentlich ist, wollen wir hier aber auch noch die eigene Vorstellungskraft hinzufügen und die sicheren Leitplanken der Plausibilität. Für eine solche Erinnerung stellen wir uns nun zunächst noch einmal zusammen mit der Mutter Jesu, Maria aus Magdala und der Frau des Kleopas, einer dritten Maria, unter das Kreuz, an dem ihr Sohn angenagelt zwischen zwei Verbrechern hängt. Auch Johannes ist dabei, den „Jesus liebte“.

Ein grauenhafter Anblick tut sich hier vor ihnen auf. Jesus nackt und voller Blut. Blut fließt aus den Wunden der Peitschenhiebe seiner Peiniger und aus den Wunden der Spottkrone, deren Dornen ihm in die Stirn geprügelt worden waren. Nicht zu reden von den Nägeln durch seine Handgelenke und Füße. Blut am Holz, in seinen Augen, in seinem Mund, in seinem Bart, Blut überall, im Fluss und verkrustet. Es ist drückend schwül. Fliegen umsurren ihn. Wüstenwind überfällt gerade die Stadt. In fünf Minuten wird es schwarz wie in der Nacht über dem Golgathafelsen. Jesus bekommt fast keine Luft mehr.

Fahren Sie nach Colmar ins Elsass in das Museum Unterlinden, um vor Matthias Grünewalds Isenheimer Altar aus dem Jahr 1515 einen realistischen Eindruck zu erhalten, wie dieser Tod aussah. – Im Evangelium des Johannes heißt es an dieser Stelle lakonisch: „Von der Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.“ Es ist, wohlgemerkt, derselbe Jünger, der das schreibt. Lässt sich da an der Zuverlässigkeit seiner Behauptung zweifeln? Nein. Nichts zwang Johannes, diese Adoption der Mutter hier zu erwähnen.

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