Deutschland hat große Philosophen hervorgebracht. Denker, die ihrer Zeit voraus waren. 43 Jahre. So wie Mike Krüger. Der „Blödelbarde“ veröffentlichte 1983 sein „Freiheit für Grönland“. Als B-Seite. Es ist ein Cover des Hits „Lucille“, in dem Kenny Rogers von einer Frau singt, die ihren Ehemann in seiner größten Lebenskrise verlässt. Krüger widmet es der „Freiheit für Grönland“. Nicht etwa, um die dänische Besatzung anzuprangern, sondern um Sponti-Sprüche zu vertonen, wie „Ich geh kaputt, gehste mit“ oder „Weg mit den Alpen, freie Sicht auf den Äquator“.
Nun. So ganz das Niveau von Rogers Welthit erreicht Krüger nicht. Noch nicht einmal das des deutschen Covers „Musst du jetzt gerade gehen, Lucille“ von Michael Holm. Aber Krüger hat „Freiheit für Grönland“ ja auch nur als B-Seite veröffentlicht. Wie kommt man nun von peinlichen Werken auf B-Seiten über „Freiheit für Grönland“ zu Boris Pistorius (SPD), der einen Gastbeitrag zur Grönland-Krise in der Zeit veröffentlicht hat und darin den Einsatz deutscher Soldaten fordert?
Wie auch immer. Genau das hat der Verteidigungsminister getan. Wollten seine sozialdemokratischen Vorgänger die deutsche Freiheit noch am Hindukusch verteidigen, verlegt Pistorius das Geschehen jetzt an den Labradorsee und die Nares-Straße. Oder wie es Krüger ausdrücken würde: „Freiheit für Grönland – weg mit dem Packeis. Ich geh kaputt, gehste mit.“
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