Sie sind jung, sie können alles machen, sie können alle lieben. Sie sind todtraurig.
Wenn ich mir heute Anfang-Dreißigerinnen ansehe, erfasst mich immer eine Mischung aus Mitgefühl und Ratlosigkeit. Mitgefühl, weil ich selbst vor zwei Jahrzehnten so alt war, mich fragte, mit wem und wann ich Familie will, ob und wie ich Karriere machen soll, warum und wie viel ich trotz Kindern arbeiten sollte. Ich möchte diesen jungen Frauen den Arm auf die Schulter legen und ihnen zurufen: Egal, welchen Weg Du einschlägst, für manche (und vielleicht auch für Dich selbst) wird es womöglich genau der falsche sein. Gut so! Stolpern macht stark.
Und dann bin ich wieder ratlos, weil diese Frauen so wunderbar und so brav sind. Sie glauben, Matcha zu trinken und Grün zu wählen, mache sie zu einem glücklichen Menschen. Sie tindern, machen Party und verloben sich. Sie kennen sich aus mit Ghosting und Gaslighting. Sie investieren in ETFs und sind digital fit. Sie lesen und schreiben tolle Bücher. Sie kaufen Sextoys und feiern wilde Junggesellinnenabschiede. Und dennoch haben sie irrsinnige Angst, Fehler zu machen.
Dabei ist es genau diese Generation der Millennials, die von ihren Eltern viel besser unterstützt und gesehen wurde, als wir von der Gen X. Sie sind oft schön und verstecken sich hinter riesigen Jeans; jeder männliche Blick könnte Belästigung sein. Ich möchte sie schütteln, weil sie so viel Angst vorm Leben und Scheitern haben. Lustvoll auf die Nase zu fallen, sich den Staub abzuklopfen und weiterzumachen, das ist in jedem Fall eine bessere Lektion als Instagram-Kacheln über Resilienz und Anxiety und – oh Gott – Trauma.
ANGST IN ANKARA: Gutes Gespräch mit Putin ‒ Was hat Trump auf NATO-Gipfel vor? | WELT LIVESTREAM











