Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering rät seiner Partei, mehr Reformen anzugehen. Bislang sei zu wenig passiert. „In einer Lage wie heute ist Laufenlassen keine Option, das ist klar“, sagt er angesichts der wirtschaftlichen Situation im Interview mit dem Handelsblatt am Sonntag. Nach der Umsetzung der Agenda 2010 befragt, sagt er, dass es „nicht den einen Agenda-Moment“ gegeben habe, sondern dass viele Dinge geändert wurden. „Das gilt auch für die heutige Zeit.“
Müntefering setzte sich als aktiver Politiker auch für die Rente ab 67 Jahren ein. Diesen Schritt verteidigt er. Man dürfe sich nicht dauernd dafür entschuldigen, wenn man etwas aus der Überzeugung getan habe, dass es richtig sei. Stattdessen sollten Politiker dazu stehen. Generell braucht es einen anderen Blick auf Reformen: „Man darf Reformen nicht nur als Zumutung verkaufen, sondern als Ermöglichung: Wir wollen gut leben, gut alt werden – und das ist uns etwas wert.“
Doch stattdessen werde aus Angst vor der nächsten Wahl und der AfD stillgehalten. Politiker könnten keine „Impulse“, keine „Begeisterung“ mehr erzeugen. Er fordert, dass Menschen das Recht haben sollen, über das Renteneintrittsalter hinaus ihren Arbeitsvertrag um ein oder zwei Jahre zu verlängern. „Wir müssen uns von der schematischen Vorstellung lösen, mit 16 Jahren sind alle erwachsen und mit 65 alle alt“, sagt Müntefering.
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