Die schwäbische Familienunternehmerin Isabel Grupp-Kofler hat sich für offene Gespräche mit der AfD ausgesprochen, obwohl sie das Wirtschaftsprogramm der Partei kritisisch sieht. Dies geht aus einem Interview von Grupp-Kofler mit dem Spiegel hervor. „Was ich davon wahrnehme, ist für mich nicht umsetzbar. Die Positionierung zur EU ist unrealistisch. Das ist so nicht tragfähig. Auch beim Thema Energie sehe ich erhebliche Probleme“, sagte die 40-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Vater den Kunststoffkonzern Plastro Mayer in Trochtelfingen leitet. „Es gibt in der AfD keine Persönlichkeiten, mit denen ich wirtschaftlich in Resonanz gehen könnte.“
Trotz dieser Ablehnung plädiert Grupp-Kofler, eine Nichte des Trigema-Patriarchen Wolfgang Grupp und Ehefrau des Investors Georg Kofler, für Dialog. „Aber die AfD ist nach einigen Umfragen die stärkste Partei. Deshalb muss man hinhören“, betonte sie. Es interessiere sie, „die Beweggründe, warum so viele Menschen in diese Richtung tendieren. Das sind ja nicht nur Rechtsextreme. Darunter sind auch viele junge Wähler, die einfach protestieren.“ Grupp-Kofler forderte: „Man muss mit allen reden. Mit Schweigen oder Ignorieren haben wir noch keine Probleme gelöst.“ Sie sei auch dafür, AfD-Politiker zu Veranstaltungen einzuladen, um sich „inhaltlich auseinanderzusetzen“. Den Ansatz des Verbands Die Familienunternehmer, AfD-Vertreter einzubeziehen, nannte sie „richtig“.
Gleichzeitig betonte Grupp-Kofler die Neutralität von Unternehmen: „Ein Unternehmen ist per se ein neutraler Raum.“ Dennoch engagiere sie sich für Vielfalt, etwa durch qualifizierte Migration. „Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte. Wenn wir die in Deutschland nicht finden, sind wir froh, wenn wir Mitarbeiter aus dem Ausland bekommen“, sagte sie. In ihrem Betrieb arbeiten Menschen aus 16 Nationalitäten. Auf die Frage, ob sie sich als Tochter einer türkischen Mutter persönlich angegriffen fühle von AfD-Ressentiments, antwortete sie: „Ich bin auch Türkin, ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft. Mein Mix ist gut: Das konservative Schwäbische und der Einfluss der Türken, die herzlich und familiär sind.“ Integration könne gelingen, wie das Beispiel ihrer Mutter zeige, und müsse aufgezeigt werden, um Ressentiments entgegenzuwirken.
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