EZB warnt vor Dollarknappheit, China emittiert Dollar-Bond

vor 8 Monaten

EZB warnt vor Dollarknappheit, China emittiert Dollar-Bond
Bildquelle: Tichys Einblick

Anfang November ereignete sich Bemerkenswertes am internationalen Markt für Staatsanleihen. Weitgehend unbeachtet von den klassischen Medien – mit Ausnahme von Bloomberg – wagte China erstmals seit längerer Zeit wieder den Schritt, eine in US-Dollar denominierte Staatsanleihe zu emittieren.

Das Volumen: vier Milliarden Dollar, hälftig aufgeteilt in Laufzeiten von drei und fünf Jahren. Und die Nachfrage war schlichtweg spektakulär. Die Emission wurde sage und schreibe dreißigfach überzeichnet, rund 118 Milliarden Euro wurden auf diese Weise am Tag der Emission bewegt.

Erstaunlich ist dieser Vorgang vor allem deshalb, weil Politik und Medien – allen voran europäische Institutionen wie die EZB – seit Jahren fast mantraartig den bevorstehenden Untergang des US-Dollars als globale Weltreservewährung verkünden. Chinas Schritt, ausgerechnet jetzt, mitten im Handelsstreit mit den USA, Dollar-Schulden aufzunehmen, konterkariert diese Erzählung auf maximale Weise.

Eine besondere Pointe erhält dieser fiskalische Vorstoß durch ein zweites Ereignis, das sich im gleichen Zeitfenster vollzog: Russland platzierte parallel eine in Yuan bewertete Staatsanleihe – umgerechnet rund fünf Milliarden US-Dollar – erfolgreich am Markt.

Zielgruppe waren vor allem russische Unternehmen, die im Handel mit chinesischen Partnern zunehmend auf yuanbasierte Sicherheiten und Instrumente zurückgreifen wollen. Auch hier also eine Verschiebung, aber mit umgekehrtem Vorzeichen: Moskau finanziert sich in Yuan, während Peking im Dollar-Markt testet, wie stark die Nachfrage nach seinen Schuldtiteln tatsächlich ist.

Was genau ist hier also geschehen? Ganz offensichtlich sind wir Zeugen eines stillen, aber strategisch hochrelevanten Manövers auf der obersten Ebene des globalen Handelskonflikts. Während Medien ihr populäres Narrativ vom „Kampf der Systeme“ zeichnen – der scheinbar erratisch agierende US-Präsident auf der einen, der kalt kalkulierende Xi Jinping auf der anderen Seite –, spielt sich im Hintergrund der eigentlich entscheidende Prozess ab: Die Finanzarchitektur der Zukunft wird von den USA und China koordiniert errichtet. US-Dollar und Yuan werden die beiden entstehenden Handelsräume dominieren. Die transformatorische Überbrückung ist eine Frage der technischen und politischen Ausgestaltung.

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