Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) spricht sich für eine Rückkehr zur Wehrpflicht aus. „Ich bin der Meinung, dass wir wieder eine Wehrpflicht brauchen. Der Personalbestand der Bundeswehr ist verdammt niedrig“, sagte Fischer dem Nachrichtenmagazin Spiegel.
Die neue Bundesregierung aus Union und SPD plant bislang, einen Wehrdienst einzuführen, der zunächst auf Freiwilligkeit basiert. Das reiche nicht aus. „Wenn wir abschreckungsfähig werden wollen, wird das ohne eine Wehrpflicht nicht gehen“, so der frühere Vizekanzler. Seiner Ansicht nach solle die Pflicht für Männer und Frauen gleichermaßen gelten. „Beide Geschlechter sind gefragt. Entweder wir haben die Gleichstellung, oder wir haben sie nicht.“
Bemerkenswert ist Fischers Kehrtwende. Jahrzehntelang galt die Wehrpflicht in grünen Kreisen als Symbol eines autoritären Staates. Auch Fischer hatte selbst verweigert und galt als überzeugter Pazifist – eine Haltung, die heute offenbar nicht mehr gilt. Dass er einst selbst gegen die Wehrpflicht war, bezeichnet Fischer „aus heutiger Sicht“ als Fehler: „Für die eigene Freiheit muss man einstehen. Wenn es darauf ankommt, auch kämpfen.“
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