Ich wollte diese Kolumne eigentlich damit beginnen, ausführlich darzulegen, wie jämmerlich ich doch in der vergangenen Woche einer Grippe erlegen bin, dass es ein Wunder ist, dass ich noch am Leben bin und so weiter und dann irgendwie auf das Thema der Woche umleiten. Das erscheint mir bei den Ereignissen dieser Woche nicht mehr angemessen. Tatsächlich fällt einem doch sehr eindrücklich auf, wie oft man im Alltag sich scherzhaft den Tod herbeisehnt oder Begriffe wie „verenden“, „verrecken“ oder „abgekratzt“ verwendet, wenn man zum ersten Mal wirklich grafisch sieht, wie ein Mensch stirbt.
Und die Szenen im Fernsehen, in denen einem Charakter in den Hals gestochen wird und das Kunstblut nur so spritzt, von denen man dachte, dass sie furchtbar übertrieben sind, erscheinen jetzt doch nicht mehr so abwegig. Ich weiß, viele fordern dazu auf, das Video von Charlie Kirks Tod nicht weiterzuverbreiten, nicht über seinen gewaltsamen Tod zu schreiben, sondern stattdessen über sein Lebenswerk – aus Respekt vor seinem Andenken, aus Anstand, aus Respekt vor seiner Familie. Ich kann diese Position nachvollziehen. Aber wir brauchen uns auch nichts vormachen: Wohl jeder hat dieses Video gesehen.
Und keiner, der dieses Video gesehen hat, kann es vergessen. Ich jedenfalls nicht. Manchmal denke ich gerade an etwas ganz anderes. Dann mache ich die Augen zu und plötzlich sehe ich wieder, wie Charlie in einer Sekunde noch normal spricht und in der nächsten plötzlich verkrampft den Hals verdreht, während das Blut aus der Schusswunde strömt wie ein Wasserfall. Wir haben das alle gesehen und ich finde es wichtig, darüber zu sprechen. Denn trotzdem gibt es sehr, sehr viele Menschen, die dieser Mord kalt lässt, die ihn sogar feiern oder nüchtern als gerechte Strafe ansehen.
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