Die Grüne Partei hat sich über Jahre einen Markenkern aufgebaut: die Moral. Wer grün wählte, konnte sich zu den Guten zählen, die das Klima schützen, die Rechte noch so kleiner Minderheiten bestärken, ungefragt die Welt über ihre Vorstellung von Gesellschaft und Zusammenleben belehren, schon dem Anschein von Missbrauch einen Riegel vorschieben – oder jedenfalls all dies vorgeben zu tun.
Doch diese Moral-Erzählung, diese Behauptung von Moral als Richtschnur der Partei fällt mit dem mindestens in Teilen erfundenen Missbrauchsskandal gegen Stefan Gelbhaar und den zahlreichen offenen Fragen zur Rolle von Robert Habecks Wahlkampf-Manager Andreas Audretsch, dem Haupt-Nutznießer der Intrige, in sich zusammen.
Andreas Audretsch ist enger Vertrauter von Robert Habeck, leitet und plant seinen Wahlkampf.
Bei der Grünen Partei gibt es Missbrauch, aber den Missbrauch besagter Moral, die selbst anonyme Vorwürfe über das rechtsstaatliche Grundprinzip der Unschuldsvermutung stellt, die schon den unbelegten Vorwurf eines falschen Verhaltens zur inquisitorischen Waffe macht und politische wie private Leben in Sekundenschnelle zunichtemacht. Der Schein des Guten wird zum Missbrauch, um skrupellose Machtpolitik zu betreiben.
Stefan Gelbhaar, der von Anfang an jeden Vorwurf bestritten hat, der dezidiert jeden Vorwurf öffentlich zu entkräften versuchte, ist diesem Moral-Missbrauch zum Opfer gefallen. Er wurde als möglicher Missbrauchstäter von seiner Partei geschasst, zum Rückzug von der Kandidatur um den begehrten Listenplatz 2 in Berlin gedrängt und – für ein progressives Milieu bei Missbrauchsvorwürfen logisch – zur Persona non grata erklärt. Mindestens einer der Vorwürfe ist, wie der rbb einräumen musste, offenbar frei erfunden.
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