Entführt in Somalia, Iran und Mali: Lässt der deutsche Staat seine Bürger im Stich?

vor 9 Monaten

Entführt in Somalia, Iran und Mali: Lässt der deutsche Staat seine Bürger im Stich?
Bildquelle: NiUS

Sie werden verschleppt, versklavt oder als Faustpfand in erpresserischen Verhandlungen eingesetzt: Hunderte deutsche Staatsbürger wurden in den letzten Jahren im Ausland als Geisel genommen. Im Durchschnitt ist es etwa eine Entführung pro Monat. Doch auf Regierungsebene und in der Öffentlichkeit spielen diese Fälle eine bemerkenswert untergeordnete Rolle. Wer sind die vielen Menschen, die derzeit ihrer Befreiung durch ein Land harren, das sie zu vergessen droht? Und wieso scheint die Bundesregierung ihre entführten Landsleute im Stich zu lassen?

Groß waren Freude und Erleichterung in Israel, als die verbleibenden Geiseln jüngst im Zuge einer langen herbeigesehnten Vereinbarung ihrer grausamen Gefangenschaft entkommen konnten. Auf ein beispielloses Massaker und die groß angelegte Verschleppung vom 7. Oktober 2023 folgte ein quälend langer Militäreinsatz, der – wie der Waffenstillstand selbst noch einmal belegt – immer auch eine Geiselbefreiung gewesen war. Israel kämpft um seine Staatsbürger seit dem Tag der Staatsgründung wie eine Löwenmutter um ihre Jungen. Dabei setzt es von Verhandlungen über komplexe logistische Planungen bis hin zum Einsatz seiner Streitkräfte das gesamte staatliche Instrumentarium ein, um seine Leute freizukriegen. Hiesige Betrachter haben den Terroranschlag und den darauffolgenden Gaza-Krieg so vollumfänglich in den Kontext des sogenannten Nahostkonfliktes eingeordnet, dass häufig übersehen wurde, wie viele Deutsche sich unter den Getöteten und Entführten befanden.

Unter mindestens acht unserer Landsleute war Shani Nicole Louk, die von den Hamas-Terroristen vergewaltigt, getötet und öffentlich zur Schau gestellt wurde. Oder der junge Itay Chen, dessen Eltern sich in Deutschland vergeblich um ein stärkeres Engagement der Politik bemühten. Die Reaktionen der Behörden und Volksvertreter unterscheiden sich von Fall zu Fall, doch insgesamt drehen sie sich immer ums Kondolieren, Versprechen, Beschwichtigen und Zögern. Im Gegensatz zu anderen Mächten wie den USA, England oder Frankreich hält Berlin sich lieber im Hintergrund und legt sich in bundesdeutscher Manier gerne einmal darauf fest, dass im Grunde ein anderer Staat zuständig sei – gerade bei Entführten mit doppelter Staatsangehörigkeit ein seltsam bequemes Detail.

Die deutsch-israelische Shani Louk nach ihrer Geiselnahme durch Palästinenser

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