Roderich Kiesewetter und Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Hand aufs Herz: Wer hat die beiden vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine gekannt? Seit diesem sind sie in den Talkshows des Staatsfernsehens dauerpräsent und kommen auch im Staatsradio permanent als Experten zu Wort. Strack-Zimmermann war immerhin erfolgreiche Spitzenkandidatin der FDP bei der Europawahl 2024 und ist seitdem im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Kiesewetters Ruhm beruht ausschließlich darauf, dass ihn Friedrich Merz (CDU) als Oppositionsführer mal mit nach Kiew genommen hat und Kiesewetter danach jedem geschildert hat, wie es in der ukrainischen Hauptstadt aussehe. Ist der Krieg beendet, hat er medial gar nichts mehr. Er könnte als Gast in der RTL-Chartshow auftreten, vor dem Green-Screen sitzen und erzählen, wie er genau dieses Lied gehört hat, als er mit Merz in Kiew war.
Doch Kiesewetter wäre nicht der einzige, der seinen Raison D`Etre verlieren würde, wenn der Krieg in der Ukraine endet. Das, was in seinem politischen Leben Sinn stiftet. Die ganze Berliner Politik ist auf das Geschehen an Don und Dnjepr ausgerichtet, seit der damalige Kanzler Olaf Scholz (SPD) im Bundestag die „Zeitenwende“ ausgerufen hat. Das gilt vor allem seit Mai 2025, als Merz Scholz im Kanzleramt ersetzt hat. Der Sauerländer hat die Hälfte seiner wichtigen Reden mit dem Thema Ukraine gefüllt. Als Außenkanzler ist er immer dann ins Ausland geflüchtet, wenn er mit seinen innenpolitischen Themen nicht klar gekommen ist. Also immer.
Die Schuldenorgie von mindestens 850 Milliarden Euro hat Merz gestartet, weil er sich die SPD als Koalitionspartner kaufen und den sensiblen Lars Klingbeil als Partner wohlgelaunt halten wollte. Offen zugeben kann der Kanzler das nicht. Zumal er als Oppositionsführer noch das Gegenteil einer Schuldenorgie versprochen hat. Also rechtfertigt Merz die Ursünde seiner Amtszeit mit den Bedingungen in und um die Ukraine, die sich zwischen der ersten und zweiten Februarhälfte 2025 massiv verändert hätten. Von da an wollte Merz vom Geld des Steuerzahlers ausgeben, „whatever it takes“. Für den Kanzler wäre das Ende des Krieges in der Ukraine ein Ende seiner Ausrede für den größten politischen Betrug seiner noch kurzen Amtszeit.
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