Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck wundert sich über den Wahlerfolg der AfD in den westdeutschen Bundesländern. Denn die Menschen dort seien weniger durch Diktaturen geprägt worden. Es sei das interessantere Thema, dass es „in gut funktionierenden Wahlkreisen in Bayern und Baden-Württemberg zwanzig Prozent AfD-Wähler sind“, sagte er am Sonntagabend in der Sendung Caren Miosga. In der Diskussionsrunde mit einem Schriftsteller, der auch SPD-Mitglied ist, und einer Managerin wurde der Frage nachgegangen, ob die Demokratie in Deutschland gefährdet sei.
„Das ist das interessantere Thema als die vierzig Prozent in Sachsen-Anhalt“, fährt Gauck fort. Auf Nachfrage der Moderatorin erklärt er: „Weil diese Landschaft hat eine andere Demokratiegeschichte, die länger auch Bevölkerungsschichten geprägt hat.“ Es würden unterschiedliche Haltungsprägungen entstehen, wenn eine „Gesellschaft 56 Jahre lang in politischer Ohnmacht lebte und ein anderer Teil nur zwölf Jahre“.
Die Menschen der DDR seien „altdeutsch“. Denn „sie haben weder eine 68er-Bewegung gehabt mit einem herrschaftskritischen Diskurs, noch haben sie die Erweiterung der Lebensräume durch Zuwanderung und vielfältige Kontakte mit anderen Kulturen gehabt.“ Nun würde das in Ostdeutschland nachgeholt werden. Doch die Zivilgesellschaft sei nicht so weit wie im Westen Deutschlands. Weil es keine freien Medien und keine freien Gewerkschaften gegeben habe, sei die Eigenverantwortung geschwunden.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











