Ein eminent wichtiger Beitrag zur Konsensstörung in »unserer Demokratie«

vor 6 Monaten

Ein eminent wichtiger Beitrag zur Konsensstörung in »unserer Demokratie«
Bildquelle: Tichys Einblick

Die Frage nach rechts und links kommt heute fast nur noch unter politischen Vorzeichen zur Sprache – oder bleibt im propagandagetränkten Kampf der Gegenwart ein bloßes Reiz-Reaktions-Schema. Denn kaum jemand wolle heute und insbesondere in Deutschland »rechts« sein. So jedenfalls die These des Würzburger Historikers Peter Hoeres in seinem neuesten Buch, das selbst nicht im ideologischen Sumpf der Gegenwart steckenbleibt. Bevor er allerdings zu aktuellen Fragen kommt, unternimmt er eine Exkursion in Völkerkunde und Mythologie, um den Spuren der Rechts-Links-Unterscheidung auf der symbolischen Ebene nachzugehen.

Links und rechts, oben und unten sind elementare Orientierungsoptionen im Raum und verbinden sich rasch mit Wertungen: So wie das Obere mit den Göttern und dem Himmel verbunden und positiv gewertet werde, finde man auch in einer großen Zahl von Kulturen eine Privilegierung der rechten Seite als der besseren oder richtigen. Die rechte Seite – unterstützt durch die überwiegende Rechtshändigkeit des Menschen – sei von den meisten Religionen gleichsam als die Sonnenseite verstanden worden, während die linke Seite tendenziell mit dem Schlechten, dem Sinistren verbunden sei. Doch hat all dies noch keine politische Bedeutung.

Diese setzt erst mit dem Gründungsakt moderner Politik durch die Französische Revolution ein, als sich die verschiedenen Gruppen in Parlamenten zu sortieren begannen, so daß Abgeordnete mit ähnlichen Überzeugungen sich auf die rechte oder linke Seite setzten. Hoeres verfolgt die teils komplizierten Entwicklungen des Rechts-Links-Schemas und seiner Spiegelungen in Heraldik und politischer Farbenlehre über alle Zeiten und Kontinente, von 1848 in Deutschland über das revolutionäre Rußland des frühen 20. Jahrhunderts bis zu den lateinamerikanischen und afrikanischen Staaten und selbst Japan.

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