Mario Draghi hat in einer Rede an der Katholischen Universität Leuven im Rahmen der Verleihung einer Ehrendoktorwürde drastische Reformen für die Europäische Union gefordert. Er erklärte, dass der Kontinent vor der Wahl steht, entweder als bloßer Binnenmarkt zu verbleiben oder durch engere Integration eine eigenständige Supermacht zu werden. Dies führt ihn zu der Forderung, dass die Europäische Union zu einer „echten Föderation“ werden müsse, um ihre globale Stellung zu wahren.
Draghi sieht die EU in einer Phase geopolitischer Umbrüche, in der die alte Weltordnung zerfällt. „Europa läuft Gefahr, untergeordnet, geteilt und deindustrialisiert zu werden“, wenn es nicht handelt, so Draghi. In integrierten Feldern wie Handel, Wettbewerb und Geldpolitik agiere Europa bereits als einheitlicher Block mit internationalem Gewicht. Kürzlich wurden Abkommen mit Indien und Lateinamerika ausgehandelt. Wo die enge Zusammenarbeit jedoch fehle – etwa in Verteidigung oder Außenpolitik –, werde Europa als lockere Sammlung mittelgroßer Länder wahrgenommen, die leicht zu spalten sind.
Der Ex-EZB-Chef hebt die Bedrohung durch weniger Handel und schwächere Regeln hervor, hält sie jedoch für beherrschbar. Kritisch werde es jedoch, wenn Europa parallel abhängig, fragmentiert und industriell geschwächt dasteht. „Von all denen, die jetzt zwischen den USA und China eingeklemmt sind, haben nur die Europäer die Möglichkeit, selbst eine echte Macht zu werden. Wir müssen uns also entscheiden: Bleiben wir nur ein großer Markt, der den Prioritäten der anderen unterworfen ist? Oder unternehmen wir die notwendigen Schritte, um eine Macht zu werden“, so Draghi.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











