Von Boris Johnson und John Stuart Mill bis Aras Bacho: Die verrückte Autorenliste von Wolfram Weimers The European

vor 9 Monaten

Von Boris Johnson und John Stuart Mill bis Aras Bacho: Die verrückte Autorenliste von Wolfram Weimers The European
Bildquelle: NiUS

Das Internetportal The European steht in der Kritik – und mit ihm sein ehemaliger Verleger Wolfram Weimer, der das Magazin bis Mai 2025 herausgegeben hat. Es ist ein Mega-Skandal: Ausgerechnet ein Kulturstaatsminister, in dessen Ressort Fragen des geistigen Eigentums fallen, steht unter Verdacht, systematisch Urheberrechte verletzt zu haben.Wie dieses System funktionierte, wirkt auf den ersten Blick simpel. Für Hunderte – teils hochprominente – Personen wurden individuelle Autorenprofile angelegt, teilweise mit Foto und Kurzbiografie. Nach außen erschienen diese Menschen damit als hauseigene Autoren des European, obwohl sie von der Veröffentlichung weder wussten noch eine Freigabe erteilt hatten.

Offenbar ging es darum, Werbekunden anzulocken. „Autoren-basierte, exklusive Beiträge schaffen ein hochwertiges Werbeumfeld“, heißt es auf der Website. Das scheint funktioniert zu haben: Über 1,2 Millionen Euro Gewinn hat die Weimer-Media-Group erwirtschaftet, wie die Plattform northdata.de aus öffentlich zugänglichen Unternehmenszahlen ausweist.

Der Verlag gibt noch weitere Publikationen heraus: „BÖRSE am Sonntag“, „Business Punk“ und „AnlagePunk“.

Die Dimension dieses Vorgehens zeigt sich an der Autorenliste. Der Medieninformatiker Florian Gallwitz hat die Seite automatisiert ausgelesen und 991 Profile identifiziert. Darunter befinden sich weltweit bekannte Politiker wie Benjamin Netanjahu und Emmanuel Macron.

„Erkennbar ist das auch daran, dass »The European« seit Tagen einer Generalreinigung unterzogen wird: Autorenprofile und Artikel wurden großflächig gelöscht, das Impressum hat man ergänzt, Erklärungen formuliert. So handelt ein Unternehmen, das sich seiner Schuld bewusst ist.“

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