Was hierzulande, aber auch in Österreich, über Ungarn und die Regierung Orbán geschrieben wird, folgt politischen Vorgaben und hat wenig mit der Realität eines Landes zu tun, dem Deutschland viel zu verdanken hat. Deshalb hier zunächst einige grundlegende Informationen zu den Verhältnissen im Land.
Durch die wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen der Regierung Orbán seit 2010, darunter eine Flat Tax von 15 Prozent auf das Einkommen und eine Körperschaftssteuer von nur 9 Prozent, stieg die Zahl der aktiven Steuerzahler von 1,8 Millionen (2010) auf 4,5 Millionen im Jahr 2025. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 13.000 US-Dollar auf 25.900 US-Dollar. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent (2010) auf 4,4 Prozent (2025). Die Zahl der Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind, ging von 29,9 Prozent (2010) auf 14,7 Prozent (2024) zurück. Die Reallöhne entwickelten sich ebenfalls positiv: Nach einem Rückgang von 5 Prozent im Jahr 2010 stiegen sie seit 2016 meist um rund 4 Prozent jährlich, mit der Ausnahme von 2023, als sie um 2,4 Prozent sanken. Im Jahr 2024 legten die Reallöhne deutlich um 9,2 Prozent zu, 2025 wird ein Zuwachs von 5,5 Prozent erwartet.
In Ungarn kann ein Babyerwartungskredit („babaváró támogatás“) von bis zu 10 Millionen Forint (rund 25.000–26.500 Euro) in Anspruch genommen werden – zinsfrei, wenn innerhalb der Frist Kinder geboren werden; bei mehreren Kindern kann ein Teil oder der gesamte Betrag erlassen werden. Eltern erhalten Familien‑Steuerfreibeträge, die ihre steuerliche Bemessungsgrundlage pro Kind stark reduzieren, und ab Oktober 2025 werden Mütter mit drei Kindern von der Einkommensteuer befreit; Mütter mit vier oder mehr Kindern sind dies bereits. Leistungen wie das Elterngeld (CSED) oder das Kinderbetreuungsgeld (GYED) sind seit 2025 steuerfrei, was Familien finanziell entlastet, ebenso wie der staatliche Zuschuss für ein siebensitziges Fahrzeug (ab drei Kindern).
Plant eine ungarische Familie einen Hausneubau, erhält sie bis zu 10.000.000 Forint (abhängig von der Kinderzahl) vom Staat als Geschenk! In bestimmten Dörfern wird dieser Zuschuss auch für den Erwerb von Altbauten gewährt. Für Renovierungen kann ein Kredit von 6.000.000 Forint (15.800 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Hälfte davon (maximal 3.000.000 Forint) muss nicht zurückgezahlt werden. Neu ist ein sogenannter Wohnstartkredit von bis zu 50.000.000 Forint (125.000 Euro), der mit 3 Prozent über die gesamte Laufzeit verzinst wird.
Die öffentliche Beschäftigung („public work“) ist ein staatliches Programm, das arbeitsfähigen Personen, die vom ersten Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sind, Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Anders als in Deutschland, wo Millionen In- und Ausländer Bürgergeld beziehen, verfolgt Ungarn das Ziel, dass Menschen auch dann arbeiten, wenn der erste Arbeitsmarkt keine Nachfrage bietet. Das Programm wurde 2011 gesetzlich verankert. Die Vergütung liegt bei etwa 122.000 Forint (ca. 320 EUR) pro Monat, deutlich über der Sozialhilfe, die nur etwa 23.000 Forint (60 EUR) bzw. bei gesundheitlichen Einschränkungen 47.000 Forint beträgt. Wer öffentliche Arbeit nicht annimmt, kann Sozialhilfe beantragen. Die Teilnahme ist freiwillig, sichert aber Sozialversicherungsansprüche und verbessert die Chancen auf reguläre Beschäftigung.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











