Die Republik der geschliffenen Zungen

vor 10 Monaten

Die Republik der geschliffenen Zungen
Bildquelle: Tichys Einblick

Neuerdings genügt ein Satz – und das Land steht stramm zur moralischen Inspektion. Ein unbedachtes Wort, ein altes Sprichwort, ein Stück Alltagssprache – und schon heulen die Sirenen der Tugendwächter. Die Republik hat sich in eine selbsternannte Sprachpolizei verwandelt, deren Einsatzkommandos X, Talkshows und Empörungsspalten sind.

Der jüngste Fall: Katharina Dröge, Fraktionschefin der Grünen, sagte bei Maischberger beiläufig einen der ältesten deutschen Sinnsprüche: „Jedem das Seine.“ Ein Satz, der seine Wurzeln in der antiken römischen Rechtsphilosophie hat und als Ausdruck von Gerechtigkeit galt – bis ihn die Nazis zynisch an das Eingangstor des KZ Buchenwald schweißten. Seither ist der Satz historisch „belastet“, wie es heute so schön heißt.

Ganz ehrlich, ich musste etwas grinsen als ihr der Satz über die Lippen kam. Denn mir kam nur ein alter und hochintelligenter Philologe in den Sinn, der regelmäßig diesen Spruch, wahlweise, je nach Gesprächspartner, auch auf Latein zitierte. Keinen Moment dachte ich dabei an Nazis oder ein KZ.

Recherchiert man zu dem lateinischen Ausspruch, so landet man bei Cicero. Ihm wird der Ausspruch zugeschrieben. Später wurde „Suum Cuique” zum Wahlspruch in Preußen. Danach verwendeten ihn die Nazis. Heute ist er wohl bei den Feldjägern der Bundeswehr noch gebräuchlich oder eben ganz aktuell in Talkshows.

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