Die Eiseskälte der Jura-Bürokraten und das Verbot von schlechtem Geschmack

vor etwa 1 Jahr

Die Eiseskälte der Jura-Bürokraten und das Verbot von schlechtem Geschmack
Bildquelle: Apollo News

„T und S gehen in eine Bar.“ Sie erwarten da jetzt vielleicht einen schlechten Buchstabenwitz, wer durch das Jura-Studium gegangen ist oder sich wie ich noch durchschleppt, muss da wohl eher an einen Strafrechtsfall denken. Egal, wie der Sachverhalt weitergeht, als Erstes wird man den Hausfriedensbruch prüfen und nach zwei Sätzen als offensichtlich nicht einschlägig ablehnen müssen. Sonst wäre das Gutachten unvollständig, der Prüfer will sehen, dass man erkannt hat, dass T und S in einen Raum gegangen sind. „Anprüfen“, nennt man das bei uns.

Realismus ist das Erste, was man im Jura-Studium abgewöhnt, wenn nötig aus geprügelt bekommt. Spätestens ab dem dritten Semester nimmt man die Welt nicht mehr wirklich wahr. Beim Einkaufen zählt man die schuldrechtlichen und sachenrechtlichen Verträge mit – auch wenn man nur eine Banane kauft, sind das nämlich schon mehrere Verträge! – beim Spazieren denkt man über Baugenehmigungen nach, beim Krimi prüft man die Mordmerkmale durch. Alles hat Schemata, die man auswendig lernt und nur noch abrattert, das funktioniert alles automatisch.

Irgendwann in diesem ja doch relativ langen Studium, vergisst man, wofür man es mal begonnen hat – meist, um Anwalt oder Richter zu werden. Es fühlt sich alles wie ein Selbstzweck an. Das verbissene Festhalten am Prinzip für die Wissenschaft, nicht weil es im Ergebnis irgendeinen Unterschied macht, ist ein Loch, in das man irgendwann unweigerlich reinfällt und von dem aus man den Rest der Welt nicht mehr wahrnimmt. Für diese abgebrühte Ernsthaftigkeit der Rechtsanwendung gibt es natürlich eine Notwendigkeit.

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