Es liegt bereits zwölf Jahre zurück, dass der deutsch-türkische Schriftsteller Akif Pirinçci davon schrieb, dass das Schlachten begonnen habe. Anlässlich der Tötung des Deutschen Daniel S. durch eine Gruppe von Türken in Kirchweyhe wagte Pirinçci die düstere Prognose, dass die „sich steigernde Deutsch-Totschlägerei [...] zum Alltag gehören wird, man wird sich daran gewöhnen.“ Die Wortwahl war derbe, der Aufschrei groß – und doch: Rückblickend erscheint die Abrechnung Pirinçcis wie eine selbst erfüllende Prophezeiung.
Der Text erschien 2013, zwei Jahre vor dem Beginn der Flüchtlingskrise und mehrere Jahre vor den erschütternden Delikten aus Kandel, Freiburg, Chemnitz, lange vor Anis Amris Lkw-Anschlag auf den Breitscheidplatz. Pirinçci wurde in der Zwischenzeit Persona non grata. In mehreren Fällen wurde er wegen Volksverhetzung und Beleidigung verurteilt; der Text unter dem Titel „Das Schlachten hat begonnen“ ist heute nicht mehr online aufrufbar. Und doch: Vieles an den Beobachtungen des geächteten Pirinçci wirkt aus heutiger Perspektive hellsichtig. Das Schlachten nimmt verschiedenste Formen an – von Schlitzen, Umfahren, Erschießen über Erschlagen –, und es wirkt surreal, wie oft es auf der bundesrepublikanischen Tagesordnung steht.
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