War da nicht was? Visa-Affäre? „Wir befinden uns im Krieg mit Russland“? Ein Botschafter in Israel, der immer wieder sein Gastland brüskiert? Nicht im ZDF. Die Mainzer schleimen sich an die Politik heran und setzen ansonsten wie gehabt auf USA- und Israel-Bashing.
Seit gestern ist in der ZDF-Mediathek eine vierteilige Mini-Dokureihe zu sehen: „Die Diplomaten – Inside Auswärtiges Amt“ taucht laut Pressemappe des Senders „tief ein in eine verborgene Welt, die nicht im Rampenlicht, sondern meist hinter verschlossenen Türen stattfindet“. Was sich ja schon mal verheißungsvoll anhört. „Über ein Jahr lang konnten Diplomaten des Auswärtigen Amts rund um den Globus exklusiv mit der Kamera begleitet werden: auf Reisen in politische Machtzentren, zu Krisenschauplätzen und an Orte, die selten im Fokus der Öffentlichkeit stehen.“
Doch stellt sich bald heraus, dass man es hier nicht mit einem Deepdive zu tun hat, eher schwimmen die Reporter vorsichtig am Beckenrand entlang, tunlichst darauf bedacht, die wirklich heiklen Fragen nicht aufzuwerfen. Der politisch interessierte Zuschauer hätte da nämlich so einige. Etwa: Was soll „feministische Außenpolitik“ sein, mal abseits von der Platzierung von Latrinen in nigerianischen Dörfern? Oder was versteht Außenminister Johann Wadephul unter „Außenpolitik aus einem Guss“?
Das erfährt der Zuschauer leider nicht. Die Macher haben die Diplomaten, wie sie selbst sagen, rund um den Globus begleitet (unter anderem in die USA und in die Ukraine, nach Israel, Singapur, Ruanda und auf die Fidschi-Inseln), doch herausgekommen ist eher eine Hommage an das Auswärtige Amt (AA), das doch seit einigen Jahren des Öfteren – diplomatisch ausgedrückt – unglücklich agierte.
Was etwa ist aus der Visa-Affäre des AA geworden? Davon haben Sie noch nie gehört? Nun gut, sie ist ja auch kein Thema in tagesschau oder heute-journal. Es geht um die Einreiseermöglichung nach Deutschland trotz gefälschter Pässe. Oder Aufnahmezusagen für vermeintliche afghanische Ortskräfte. Immerhin ermittelt(e) die Staatsanwaltschaft.
Ein zu heißes Eisen für die Begleitmedienschaffenden, die diverse Statements von Botschaftern oder wenigstens Botschaftspersonal einholen, aber nicht hinterfragen, noch öfter aber kommen Journalisten zu Wort, die ihre Sicht auf die Welt (USA schlimm, Israel schlimm, Ukraine top!) schildern dürfen. Etwa – sehr oft – Andreas Kynast (Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio), Jörg Lau (Die Zeit), Kristina Dunz (Redaktionsnetzwerk Deutschland), Christoph Schult (Spiegel) sowie Paul Ronzheimer als einziger von einem als eher nicht links geltenden Medium (Bild), dazu die Politikwissenschaftlerin Jana Puglierin und ihr Berufskollege Carlo Masala.
Episode 1 dreht sich fast vollständig um das deutsch-amerikanische Verhältnis. Während der deutsche Botschafter in Washington, Jens Hanefeld, sich wirklich diplomatisch zurückhält, wird die Behauptung, die USA seien „kein verlässlicher Bündnispartner mehr“, von etlichen Interviewten und auch der Stimme aus dem Off aufgestellt („Trump hält die Welt in Atem“). Am US-Präsidenten arbeitet man sich die ganze Folge ab.
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