Die Akte Stade: Die Spur führt in die Staatskanzlei

vor 3 Tagen

Die Akte Stade: Die Spur führt in die Staatskanzlei
Bildquelle: NiUS

Eine Tat, die ganz Deutschland erschüttert: Der ausreisepflichtige türkische Staatsangehörige Fatih Khan Gazioglu richtet in Stade vier Frauen und zwei Männer hin. Die Fahrerin des Fluchtwagens ist Sylvia S., Schwiegermutter des niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku. Drei Tage später lässt Kurku erklären, er kenne den Tatverdächtigen nicht und sei in den Streit um das Kind nicht involviert gewesen. Die Akten, die NIUS vorliegen, setzen früher an.

Wie weit diese Spur zurückreicht, zeigt ein Blick auf den 29. Juni und auf das, was diesem folgeschweren Datum vorausging.

Am Montag, dem 29. Juni 2026, gegen 11 Uhr, beginnt in der Mutter-und-Kind-Einrichtung Stethu in Stade ein Hilfeplangespräch. Den Eltern war das Sorgerecht entzogen worden, nachdem Ärzte an der Medizinischen Hochschule Hannover bei dem Säugling ein lebensgefährliches Schütteltrauma diagnostiziert hatten.

Im ersten Stock sitzen Leitung und Mitarbeiter der Einrichtung zusammen mit drei Beschäftigten des Jugendamts, darunter die Vormundin des Kindes, außerdem die Mutter Enise Ö. und der Vater und spätere Sechsfachmörder Fatih Khan Gazioglu. Vor dem Haus wartet eine ältere Frau, Sylvia S., die Patentante des Babys. Sie darf nicht mit in das Gespräch und geht auf dem Grünstreifen auf und ab, nachdem sie am Morgen mit Fatih Khan Gazioglu in einem 400‑PS-starken Mercedes-AMG aus Garbsen bei Hannover gekommen ist.

Der Fluchtwagen von Fatih Gagzioglu.

Gegen 12:09 Uhr knallt es aus dem Obergeschoss. Zeugen hören Schüsse in Wellen. Aus einem Fenster stürzt die Vormundin auf den Rasen. Fatih Khan Gazioglu hat eine Pistole aus einer mitgebrachten Tasche gezogen und seine Opfer hingerichtet. In seiner Vernehmung, deren Protokoll NIUS vorliegt, sagt er, er habe das System verändern wollen. Wörtlich: „Wenn Ihr bereit seid zu töten, dann bin ich bereit zu töten und getötet zu werden.“ Vier Menschen sind tot, als die ersten Streifen den Raum betreten. Zwei weitere sterben kurz darauf. Sechs Tote innerhalb eines Termins, in dem es um das Wohl eines Babys gehen sollte.

Der Tatverdächtige Fatih Gazioglu mit der gemeinsamen Tochter.

Fatih Khan Gazioglu kommt mit der Waffe in der Hand und einer Zigarette im Mund aus dem Haus und schiebt Sylvia S. zum Wagen. Auf einem Video, das NIUS kennt, sagt er nur „Mach auf“. Sie entriegelt, setzt sich ans Steuer, er auf den Beifahrersitz. Eine Geiselsituation ist darauf nicht zu erkennen. Nirgendwo hält er ihr die Waffe an den Kopf.

Genau das behauptet er später. In seinem Abschiedsbrief, der NIUS vorliegt, schreibt er, Sylvia S. habe „nicht annähernd etwas mit dem sechsfachen Mord zu tun“, sie sei nur gefahren, weil er sie zur Geisel genommen und nonstop mit der Schusswaffe am Kopf bedroht habe. Das Video nach der Tat, das NIUS kennt, zeigt das nicht.

Eine Bedrohung mit der Waffe am Kopf ist nicht zu sehen.

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