Das neue Jahr begann für Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer Auslandsreise nach Indien. Gemeinsam mit einer Wirtschaftsdelegation bot sich vom 11. bis zum 13. Januar im Anschluss an den offiziellen Staatsbesuch bei Präsident Narendra Modi die Gelegenheit, einen Blick in den Maschinenraum einer gut geölten Ökonomie zu werfen. Die Firmenchefs von Infineon, Siemens oder auch DHL dürften nicht schlecht gestaunt haben: Die Welt kennt tatsächlich noch Aufstiegsgeschichten und nicht nur wirtschaftlichen Ausverkauf, Pleiten, Pech und Pannen, wie es am Standort Deutschland inzwischen zum routinemäßigen Alltag gehört.
Die indische Wirtschaft wächst seit Jahren stabil mit einer jährlichen Rate von über sieben Prozent – eine Dynamik, von der man in Deutschland nicht einmal zu träumen wagt. Sicherlich: Die indische Wirtschaft startete statistisch betrachtet von einer wesentlich geringeren Ausgangsbasis. Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass der beeindruckende wirtschaftliche Aufstieg Neu-Delhis einhergeht mit einem massiven Zuwachs geopolitischer Stärke – hier wächst ein Powerhaus von Morgen, während die Gesandtschaft aus Berlin mit maximalem Kontrast die Vergangenheit repräsentierte.
Die mitgereisten Firmenchefs der „Made for Germany“-Kaffeerunde werden es dem Kanzler nicht ins Gesicht gesagt haben, aber ihre Investitionsambitionen dürften Indien durchaus in die Kalkulationen aufgenommen haben. Zurück im eiskalten Berlin erwartet den Regierungschef der triste Alltag. Merz dürfte klar sein, dass auch das neue Jahr unter dem schlechten Stern des alten stehen wird. Das Schuldenpaket, dieser letzte Rettungsanker der Bundesregierung, verpufft inzwischen auch statistisch im wirtschaftlichen Nirwana. Selbst wenn das Bruttoinlandsprodukt bei einer Nettoneuverschuldung von deutlich über fünf Prozent im laufenden Jahr unterm Strich ein geringes Wachstum ausweisen sollte, ist klar, dass bei einer Staatsquote von 50 Prozent die Privatwirtschaft, also der eigentliche Leistungsbereich der Gesellschaft, um mindestens 4 Prozent schrumpfen wird.
Dieser Prozess hält nun bereits seit etwa sieben Jahren beinahe ohne Unterbrechung an, wie unsere erste Grafik zeigt.
Die Folgen wirtschaftsfeindlicher Rahmenbedingungen, hoher Fiskallasten und der wissentlich herbeigeführte Energiekrise haben den Motor der deutschen Wirtschaft – die Industrie – so schwer beschädigt, dass Kernbranchen wie Automotive, Maschinenbau und Elektrotechnik Jahr für Jahr ein geringeres Produktionsvolumen erzielen. Die Politik hat im Namen des Green Deal die deutsche Industrie auf eine international nicht mehr haltbare Position gezwungen. Ein beredtes Beispiel dafür gibt uns die Chemiewirtschaft. Sie verlor seit 2018 ein Produktionsvolumen von markant über 20 Prozent, Automotive und Maschinenbau liegen mit einem Rückgang von rund 20 Prozent ebenfalls dramatisch unter ihrem Potenzialtrend.
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