„Dienstleistungsgesellschaft“ statt „deutschem Industrie-Fetisch“: Wie der Deutschlandfunk die Deindustrialisierung verherrlicht

vor mehr als 1 Jahr

„Dienstleistungsgesellschaft“ statt „deutschem Industrie-Fetisch“: Wie der Deutschlandfunk die Deindustrialisierung verherrlicht
Bildquelle: NiUS

Der öffentlich-rechtliche Deutschlandfunk erklärt der Bevölkerung die Verschlechterung der Welt – allerdings auf eine Weise, bei der Regierungspolitik stets als klug und richtig erscheint, während oppositionelle Kritik als gefährlich, dumm oder populistisch diskreditiert wird. Besonders deutlich zeigt sich dieses Muster in der Art und Weise, wie der Podcast „Crashkurs – Wirtschaft trifft Geschichte“ die Deindustrialisierung nicht nur gelassen hinnimmt, sondern regelrecht beschönigt – als Chance zur Veränderung.

Seit Anfang 2024 sendet der Deutschlandfunk dieses neue Format. In halbstündigen Episoden sollen aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen mit Blick auf die Geschichte eingeordnet und lösungsorientiert aufbereitet werden. Was mit dem Anspruch startet, informativ und objektiv zu sein, mündet in ein ideologisch geglättetes Narrativ – so regierungsnah, als handle es sich um das Staatsfernsehen der DDR.

Das Muster: Die eigentlichen, politisch verursachten Krisen des Landes – etwa die evident staatlich mitverursachte Deindustrialisierung oder die strukturellen Probleme der Migrationspolitik („Wie Zuwanderung unseren Wohlstand sichert“) – werden nicht benannt. Stattdessen wird geschwiegen, relativiert oder umgedeutet. Jene Kräfte, die für einen grundsätzlich oppositionellen Kurs stehen, werden als Gefahr dämonisiert, während Regierungspolitik ins rechte Licht gerückt wird – als folgten Redaktion und Moderation einer unsichtbaren staatlichen Regieanweisung – von der die Redaktion aber in authentischer Weise überzeugt zu sein scheint.

Deutschlandfunk-Moderatorin Sandra Pfister, hier auf der Messe Re-Publica

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