Deutschland verliert die Kontrolle über seine Stromnetze

vor 10 Monaten

Deutschland verliert die Kontrolle über seine Stromnetze
Bildquelle: Tichys Einblick

Deutschland geht der Strom aus. Dafür gibt es zwei paradoxe Gründe: Einerseits haben wir zu wenige Kraftwerke und produzieren zu wenig Strom. Andererseits produzieren wir zeitweise viel zu viel Strom, und das überlastet dann die empfindlichen Netze.

Die Folge ist in beiden Fällen gleich: Das Netz muss abgeschaltet werden, buchstäblich gehen die Lichter aus. Und in beiden Fällen haben wir uns selbst in diese missliche Lage gebracht – durch die Energiewende.

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion erwartet „kontrollierte Lastabschaltungen“ und hohe Strompreise im Herbst. „Unsere Handlungen werden der Situation angemessen, aber nicht schön sein.“ Vordefinierte Gruppen würden vorgewarnt, dass bei ihnen am nächsten Tag für eine gewisse Zeit –vielleicht für ein paar Stunden – der Strom abgeschaltet wird. „Krankenhäuser müssten auf Notstrom ausweichen und vielleicht auch Operationen verschieben, Supermärkte ihre Läden schließen, Industriebetriebe vielleicht eine Produktionslinie pausieren.“

Man kennt das, bisher allerdings aus Ländern der Dritten Welt. Dass der immer noch viertgrößte Industriestaat der Welt seinen Bürgern und Betrieben zeitweise den Strom abschalten will und Krankenhäuser nur mit Notstromaggregaten arbeiten: Das ist relativ neu.

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Noch vor wenigen Jahren gehörte das Wort „Dunkelflaute“ nicht zum allgemeinen Sprachschatz. Der Begriff bezeichnet Wetterlagen, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dann produzieren Windräder und Solaranlagen keinen Strom. Also im Wortsinn: gar keinen.

Unsere Stromversorgung ist ein ingenieurtechnisches Meisterwerk. Weil man elektrische Energie in großen Mengen nur sehr schlecht speichern kann, muss in unsere gekoppelten Netze in jeder Sekunde genau so viel Strom eingespeist werden, wie auch entnommen wird. Die Stromproduktion muss exakt so hoch sein wie der Stromverbrauch. Immer, in jedem Moment. Sonst bricht das Stromnetz zusammen.

Mit sogenannten „steuerbaren Kapazitäten“ geht das recht einfach. So nennt man Energiequellen, die unabhängig von der Wetterlage jederzeit zur Verfügung stehen und so konstruiert sind, dass man sie sehr schnell auf- oder abregeln und so die Stromproduktion an den Bedarf anpassen kann. Kernkraftwerke sind „steuerbare Kapazitäten“, Kohlekraftwerke sind es, Gaskraftwerke sind es.

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