Zwischen Ostsee, NATO-Verpflichtungen und möglichen Einsätzen im Nahen Osten zeigt sich: Deutschlands Seestreitkräfte müssen sich neu erfinden – und stoßen dabei an strukturelle und politische Grenzen. Viele der Probleme, an denen die deutschen Seestreitkräfte zu kauen haben, sind hausgemacht. Quo vadis, deutsche Marine?
Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs versuchte sich die Kriegsmarine gewissermaßen mit einer Umkehrung dieser Logik. Die Wehrmacht sollte den Kontinent und seine Ressourcen kontrollieren und durch deren Ausbeutung belagerungsfest machen. Unterseeboote sollten die britischen Inseln von der Versorgung aus Übersee abschneiden und so London in einem zähen Prozess zur Anerkennung der deutschen Hegemonie zwingen.
Mit Gründung der Bundesmarine im Kalten Krieg waren derart globale Ambitionen passé. Nun sicherten die Amerikaner, der neue große Bruder in Washington, die Seewege. Internationale Verrechtlichung und Freihandel ermöglichten der deutschen Industrie den Zugang zu Ressourcen und Märkten, insbesondere in der neuen Europäischen (Wirtschafts-)Gemeinschaft, und die Marine konnte sich auf den Nahbereich konzentrieren: die Ostsee. Dort würde sie vorrangig gegen die Volksmarine der DDR kämpfen, Warschauer-Pakt-Truppen von der Landung an den Küsten abhalten, Minen räumen und legen. Die DDR-Marine verfolgte in etwa dieselbe Doktrin, gespiegelt natürlich. Übrigens kam diese bis 1990 ganz ohne eine Sektsteuer aus, wollte aber – auch eine wahre Anekdote – einmal das ZDF-Traumschiff kaufen, um darauf Waffen nach Afrika zu schmuggeln.
Der Kreuzer „Stuttgart“ der Kaiserlichen Marine (1918)
In der Berliner Republik hätte es das gewesen sein können: Schaulaufen bei der Kieler Woche, hin und wieder ein Skandal um die Gorch Fock vielleicht. Dann trat im Jahr 2010 Bundespräsident Horst Köhler zurück, nachdem er für folgende Worte heftig kritisiert wurde: „Meine Einschätzung ist aber, (...) dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











