Die Gesellschaft ist nicht dazu in der Lage, über das, was sie wirklich beschwert, offen zu streiten. Lieber beklagt sie den Tonfall der Debatte als das eigentliche Problem: die Folgen einer das Land überfordernden „Willkommenskultur“ und die Ausbreitung einer islamischen Parallelgesellschaft.
Das Stadtbild ist laut Deutschem Wörterbuch der Gebrüder Grimm, das „von einem Ausblick gewonnene Bild einer Stadt“. Und laut Duden „die Ansicht, die eine Stadt im ganzen bietet“. Wo also befand sich der Kanzler, als er sagte: „Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem.“ Auf einem Fernsehturm, im Überflug, auf Wolke siebzehn? Stört ihn die Verschandelung der Skyline durch Bausünden? Hat er selbst mit dem „Stadtbild“ gar nichts zu tun? Auf Nachfrage antwortete er irritierend: „Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte.“ Ausgerechnet die Töchter, die mit dem Deutschen ein Problem haben – aber das ist ein anderes Problem.
Der Fall zeigt: Der Mann hat ein Problem mit der deutschen Sprache. Ach, wäre es sein einziges! Gemeint hat er wohl das Straßenbild der Städte, das, was „auch unserer Polizei große Probleme“ macht. Aber es geht gar nicht mehr darum, was Friedrich Merz gemeint haben könnte. Weil man dazu kein korrektes Deutsch braucht, um zu verstehen. Das schaffen auf Anhieb alle Stadtbewohner, selbst die, die erst noch Deutsch lernen müssten. Es geht hier aber nicht um die Sache. Die Sache ist glasklar wie die Aussicht auf eine Stadt an einem föhnigen Herbsttag. Die Sprache des Kanzlers ist an dieser Stelle eher nebelig. Absurderweise werfen ihm seine sich vor Empörung krümmenden Kritikerinnen vor, allzu deutsch gesprochen zu haben.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











