Der Weihnachtsmann sieht genau, wer klatscht

vor 7 Monaten

Der Weihnachtsmann sieht genau, wer klatscht
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Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie ich die Rhetorik der CDU-Spitze dieser Woche beschreiben soll. Ich schwanke zwischen „überforderte Väter bei dem verzweifelten Versuch, das abendliche Zähneputzen zu erzwingen“ oder „frisch gebackene Mafia-Bosse, die vergessen haben, sich ein Frontgeschäft zu besorgen und jetzt improvisieren müssen“. Ob als Vater oder als Mafia-Boss, braucht man ein Mindestmaß an natürlicher Autorität. Wenn man seinen Kindern/Lakaien die Machtverhältnisse erklären muss, ist das meistens ein schlechtes Zeichen.

In beiden Rollen wird man irgendwann feststellen müssen, dass man Respekt nicht erzwingen kann. Man kann sich durch Drohungen, „Machtworte“ und Konsequenzen die Illusion von Macht verschaffen, das kann eine ganze Zeit lang gutgehen. Das heißt aber nicht, dass man wirklich die Kontrolle hat. Insbesondere Kinder haben ein gutes Gespür für Schwäche. Es formiert sich Widerstand. Wenn man keine Kontrolle hat, muss man irgendwann jede einzelne Entscheidung zwanghaft durchsetzen – indem man ein Fernsehverbot ausspricht oder jemanden mit gefesselten Beinen in den Fluss schmeißt.

Als ich Merz’ Ansage „Ich sehe genau, wer klatscht“ gelesen habe, musste ich laut auflachen. Da hat jemand die Brosius-Gersdorf-Debatte immer noch nicht verkraftet. Vielleicht erinnern Sie sich noch an sein vermeintlich staatsmännisches „Ja“ als Antwort auf die Frage von Beatrix von Storch und wie Merz sich dann selbstzufrieden zu seiner Fraktion wandte, von der der erwartete Applaus aber weitestgehend ausblieb. Wer prophylaktisch Beifall erzwingen muss, weiß selbst, dass er sich nicht auf dem Höhepunkt seiner Macht befindet. Vielleicht hat Merz versucht, wie ein Mafia-Boss rüberzukommen, aber dieser Satz ist eindeutig unter die Kategorie verzweifelter Familienvater einzuordnen. Wenn er könnte, hätte er gesagt: „Der Weihnachtsmann sieht genau, wer klatscht, und dann gibt es dieses Jahr keine Geschenke!“

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