Es gibt eine alte Internetweisheit, die besagt: Der Tod hatte einmal eine Nahtoderfahrung. Sie hieß Chuck Norris. Jahrzehntelang schien diese Behauptung empirisch belegt. Noch vor zehn Tagen, an seinem 86. Geburtstag, veröffentlichte Norris ein Video, in dem er einen Sparringspartner verprügelte und verkündete: „I don’t age. I level up.“ Am Donnerstag ist er auf Hawaii gestorben. Seine Familie teilte mit, er sei friedlich eingeschlafen, umgeben von seinen Liebsten. Man darf annehmen, dass der Sensenmann höflich angeklopft und um einen Termin gebeten hat.
Carlos Ray Norris wurde 1940 in Ryan, Oklahoma, geboren, als Sohn einer Hausfrau und eines Soldaten, den er später als Alkoholiker beschrieb. Arm, schüchtern, unsportlich. Man würde sagen: denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Karriere als härtester Mann der Welt. Aber Chuck Norris machte keine Liegestütze, um fit zu werden. Er drückte die Erde nach unten.
Bei der Air Force in Südkorea lernte er Tang Soo Do, eine koreanische Kampfkunst, und fand damit seine Berufung. Nach seiner Rückkehr in die USA wurde er sechsmaliger Weltmeister im Mittelgewicht-Karate, ungeschlagen. Er eröffnete Kampfschulen, deren Klientel sich las wie das Who’s Who Hollywoods: Steve McQueen, Priscilla Presley, Bob Barker, die Osmonds. McQueen war es auch, der ihm riet, Schauspielunterricht zu nehmen. Der Rest ist Filmgeschichte. Oder besser: Fußgeschichte.
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