Mit milder Stimme, besorgten Augen und angestrengter Stirn beugt sich Friedrich Merz weit über den Tisch bei Caren Miosga und lässt das Publikum am Sonntagabend recht ungefiltert an seiner eigenen Ratlosigkeit teilhaben. Eine Botschaft hat er den Deutschen nicht mitgebracht. Die große Unruhe, die das politische Berlin ergriffen hat, wird von diesem Kanzler kaum besänftigt, der nicht den Eindruck vermittelt, er selbst habe noch den letzten Glauben an einen guten Ausgang.
Konfrontiert mit seinen desaströsen Umfragewerten wird er schmallippig, den Missmut nehme er ernst – „und wir werden vielleicht noch mehr erklären müssen, wo wir stehen“. Für Beschönigungen bleiben dem Kanzler wenige Ansatzpunkte. Er habe mit Lars Klingbeil gesprochen – dass der damit kokettiert, er lasse sich gerne von Friedrich Merz anbrüllen, sei „ironisch gemeint“ gewesen, das habe Klingbeil ihm versichert. Na dann. Merz bemängelt, dass in der Sendung nicht genug über Erfolge der Regierung gesprochen werde. Wirklich etwas anbringen kann er aber auch nicht – außer der zahllose Male widerlegten Unwahrheit, nach der es durch effektives Regierungshandeln gelungen wäre, die Asylzahlen um zwei Drittel zu reduzieren.
Dann setzt er zu einer ganzen Reihe von Drohungen an, bei denen nicht ganz klar ist, an wen sie sich eigentlich richten. Er habe „keine Vollmacht, die CDU umzubringen“. Er stockt. Kompromisse, meint er in Richtung der SPD, seien keine Einbahnstraße. „Ich bin bis jetzt sehr geduldig gewesen“, sagt der Kanzler, ohne zu sagen, wie das in Zukunft aussähe. „Die Zweifel werden größer“, mit weit aufgerissenen Augen schiebt er leicht verzögert hinterher: „nicht an mir“. Aber an der Koalition und der SPD. Er sage Bärbel Bas und Lars Klingbeil: „Unterschätzt die Stimmung in der Union nicht. Die wird unfreundlicher.“ Droht er nun seinem Koalitionspartner damit, dass er selbst die Kontrolle verliert?
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