Der Fall Weimer: Warum die Grünen plötzlich schweigsam sind

vor 8 Monaten

Der Fall Weimer: Warum die Grünen plötzlich schweigsam sind
Bildquelle: Tichys Einblick

Monatelang griffen die Grünen Wolfram Weimer heftig an: als Symbol konservativer Politik und als vermeintlicher Gegner ihrer kulturellen Leitbegriffe. In keinem Talk kam er wirklich ungeschoren davon. Biederte er sich mit grüner Krawatte und den Grünen näher fühlend bei Felix Banaszak (im ZDF bei Markus Lanz) an, bekam er gleich darauf eins von ihm gepaddelt, dass selbst dem Zuschauer die Ohren schlackerten. Aber Banaszak wisse doch, dass er nicht so sei, ruderte ein verunsicherter wie hilfloser Weimer herum. Die Wahrnehmung jedes Menschen ist anders, schauen Sie gerne selbst (ab 24:50). Auch Katrin Göring-Eckardt schonte ihn nicht bei Maischberger. Immer wieder (überspitzt) die Weimersche Betonung zu verschiedenen Gelegenheiten, dass ihrer beider Parteien doch die Mitte seien, wenn man gegen die böse AfD und die bösen Rechten kämpfe (wie nach Haue von Böhmermann bei eben diesem geäußert). Zahlreiche Momente des sich auf den Rücken Werfens, um die nackte Kehle zu entblößen.

Doch seitdem gegen ihn nun sehr schwerwiegende Vorwürfe wegen Urheberrechtsverletzungen und Interessenkonflikten erhoben werden, herrscht auffällige Stille unter den Grünen und verwandelt sich bei manchen sogar in Zustimmung und Verteidigung. Dieses auffallende Schweigen einer doch sehr rücktrittsforderungaffinen Partei verrät mehr als jede Attacke:

Es schützt nicht Weimer, sondern das System, in dem auch die Grünen längst tief verstrickt sind.

Noch vor wenigen Monaten war Weimer für die Grünen der perfekte Gegner: ein Vertreter des alten Establishments, in ihrer Wahrnehmung wirtschaftsliberal und konservativ. Jemand, an dem man sich öffentlichkeitswirksam gut abarbeiten konnte. Ohne jedes Risiko und mit sicherem Beifall aus der eigenen Blase.

Die Angriffe zielten auf Haltung, Sprache und Stil: Weimer galt als Symbol jener „alten weißen Männer“, die man kulturpolitisch hinter sich lassen will. Seine Aussagen zu Identitätspolitik oder Gender boten den Grünen eine bequeme Angriffsflächen. Die Attacke kostete nichts und signalisierte moralische Überlegenheit bei der eigenen Klientel. Es waren reine Showkämpfe.

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