Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Politikberater, hat in seinem jüngsten Gastkommentar im Handelsblatt eine Abkehr vom bisherigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) gefordert. Statt der bisherigen zwei Prozent soll die EZB seiner Ansicht nach ein Inflationsziel von drei bis vier Prozent verfolgen. Er bezeichnet diesen Vorschlag als „notwendige Anpassung an die Realität“.
Doch was bedeutet ein solches Inflationsziel wirklich für die Bürger?
Fratzscher hat in den letzten Jahren durch eine Reihe von Fehleinschätzungen Schlagzeilen gemacht. 2021 erklärte er: „Inflation ist meine geringste Sorge.“ In seinem Artikel „Kein Grund zur Angst vor Inflation“ wiegelte er die Bedenken ab, die damals angesichts von Lieferkettenproblemen, staatlichen Ausgabenprogrammen und der Geldmengenausweitung der Zentralbanken aufkamen.
Als die Inflation dann tatsächlich stieg, präsentierte er einen neuen Ansatz: In seinem Artikel „Willkommen grüne Inflation“ begrüßte er die steigenden Preise als Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft.
Doch damit nicht genug: In seinem 2022 erschienenen Buch „Geld oder Leben“ sagte er voraus, die Inflation werde „wohl bereits im Jahr 2022 wieder unter die Marke von zwei Prozent fallen. 2023 dürfte die Inflation nochmals weiter zurückgehen.“ Die Realität zeigte ein anderes Bild. 2022 und 2023 verzeichnete die Eurozone Rekordinflationen von teilweise über zehn Prozent, was viele Haushalte in finanzielle Nöte brachte.
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