Eine Klarstellung vorweg: Die große Mehrheit der in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte verfügen über ein auch im internationalen Vergleich hervorragendes Niveau, sowohl hinsichtlich ihrer fachlichen Kenntnisse als auch in Bezug auf ihr berufliches Engagement.
Dennoch ist es besorgniserregend, dass Politik und Gesellschaft die bedrohlichen Entwicklungen ignorieren oder sogar selbst beschleunigen, die das Ausbildungsniveau der deutschen Mediziner seit Jahren nach unten ziehen. Im Folgenden soll diese systematische Erosion der ärztlichen Ausbildung an drei Bereichen verdeutlicht werden:
Die ärztliche Ausbildung an den Universitäten und Medizinischen Hochschulen wird in der Ärztlichen Approbationsordnung geregelt. Die derzeit geltende Fassung stammt aus dem Jahr 2002. Sie reflektiert damit in Struktur und Ausbildungsinhalten weitgehend den Stand und die Vorstellungswelt des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
Doch sowohl die Medizin als auch die Struktur der ärztlichen Versorgung haben sich seither dramatisch verändert. Dies betrifft etwa die zunehmende Ambulantisierung der Medizin und die gewachsene Bedeutung der Allgemeinmedizin. Andere europäische Länder haben längst darauf reagiert und die ärztliche Ausbildung daran angepasst. Doch wer im Jahr 2025 in Deutschland Medizin studiert, lernt systematisch an den Anforderungen vorbei, die ein Arzt heute im Beruf zu meistern hat.
Anstatt zum Beispiel bereits in den ersten beiden Ausbildungsjahren in die Berufspraxis einzuführen, wird in komplexen theoretischen Fächern wie der Biochemie nutzloses Wissen eingetrichtert, das in keinem Bezug zu späteren klinischen Tätigkeiten steht. Das bevorzugte Lernsystem „Amboss“ trägt seinen Namen völlig zu Recht. Das Hirn des Medizinstudenten fungiert wie ein Amboss unter den Hammerschlägen der theoriebeladenen Lerninhalte.
Die Gesellschaft finanziert also den mit rund 200.000 Euro teuersten aller universitären Studiengänge, um Ärzte nach den Vorstellungen des vergangenen Jahrhunderts auszubilden. Eine größere Verschwendung von Ressourcen ist kaum vorstellbar.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











