Correctiv und der tiefe Linksstaat: Wie mit einer faktisch falschen Recherche ein nationaler Skandal inszeniert wurde

vor 4 Monaten

Correctiv und der tiefe Linksstaat: Wie mit einer faktisch falschen Recherche ein nationaler Skandal inszeniert wurde
Bildquelle: NiUS

Am 17. März 2026, exakt 797 Tage nach der Veröffentlichung jener Recherche, die Deutschland in einen moralischen Taumel stürzte, fiel im Landgericht Berlin II ein Urteil, das mehr ist als ein juristischer Etappensieg. Die 27. Zivilkammer verbot Correctiv, Kernsätze des Artikels „Geheimplan gegen Deutschland“ weiter zu verbreiten, darunter auch die zentrale Losung eines „Masterplans zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“. Die Behauptung, Martin Sellner habe eine „Ausbürgerungsidee“ gegenüber Deutschen geäußert, wurde kassiert. Gerrit Huy, AfD-Abgeordnete und Teilnehmerin der Konferenz in Potsdam, habe auch keinen „Vorschlag“ gemacht, deutschen Staatsbürgern mit Doppelpass die Staatsangehörigkeit zu entziehen. Die Behauptung von Correctiv, die mitursächlich dafür war, dass ein Land in den Ausnahmezustand versetzt wurde, hielt erstmals dem juristischen Urteil eines Richters nicht stand.

Zwischen dem 10. Januar 2024 und diesem 17. März 2026 liegt aber nicht nur ein Zeitraum von 797 Tagen, sondern gefühlt eine ganze Epoche der deutschen Moderne. Ein Zeitraum, in dem eine dünne, dramaturgisch aufgeladene Recherche zum Gründungsmythos einer Art Volksbewegung wurde, die sich dem Kampf „gegen Rechts“ verschreibt, bei der Kanzler und Minister mitspielten, eine haltungsstarke Branche sich mit Preisen auszeichnete und bei der sich schließlich herausstellte: Das Ganze war weniger Enthüllung als Inszenierung, bei der der deutsche Linksstaat – jene symbiotische Allianz aus staatlich finanzierten NGOs, regierungsnahen Journalisten und einem politmedialen Komplex, der „unsere Demokratie“ nicht mehr beobachtet, sondern aktiv mitgestaltet – alles in Bewegung setzte, um gegen politische Konkurrenz vorzugehen.

Ein Urteil mit Signalwirkung: Vor dem Landgericht II kassierten Richter erstmals zentrale Aussagen von Correctiv.

Vor zwei Jahren, als Correctiv den „Geheimplan gegen Deutschland“ enthüllte, schien die Republik am Abgrund zu stehen. Der Kern der Recherche: „Hochrangige AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer“ hätten in einem Potsdamer Landhotel, dem Landhaus Adlon, „nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland“ geplant. So stand es in der Überschrift. Der Epilog des Textes sprach von einem „Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“, der die Grundgesetzartikel 3, 16 und 21 unterlaufe. Die Bilder der verdeckten Recherche – aus einem Auto und auch vom Wasser aus einem Boot – taten das Übrige: Hier tagte offenbar die Wannsee-Konferenz 2.0, nur ohne Protokoll, dafür mit Identitären-Chef Martin Sellner als Stichwortgeber.

Die Wirkung war elektrisierend. Ungeachtet erster kritischer Gegenrecherchen verselbstständigte sich der „Geheimplan“ von Correctiv binnen Stunden und Tagen zu einem Massenphänomen. Was als vermeintliche Enthüllung in einem Potsdamer Landhotel begonnen hatte, löste eine der größten Demonstrationswellen in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik aus. Über 3,5 Millionen Menschen gingen in den folgenden Wochen auf die Straße – organisiert von einem breiten Bündnis aus NGOs, Gewerkschaften, Kirchen und linken Gruppen. In Berlin, Frankfurt, Hamburg und unzähligen anderen Städten gingen die Demonstranten „auf die Barrikaden“ und leisteten Widerstand gegen den Faschismus hier im Land. Aus einer journalistischen Veröffentlichung war ein Happening geworden, eine moralisch aufgeladene Massenmobilisierung, in der sich weite Teile des urbanen, bildungsnahen Bürgertums als letzte Verteidiger der Demokratie gegen einen heraufziehenden Faschismus feierten. Auf Demonstrationen sprachen Luisa Neubauer, Tareq Alaows und Düzen Tekkal. Später stellte auch das Haus der Wannseekonferenz in einem geschichtsvergessenen Akt einen Aufsteller vor dem Museum auf, der das Potsdamer Treffen in die Kontinuität des Holocaust rückte – eine Geschmacklosigkeit, die nur möglich war, weil der Vergleich längst zum Allgemeingut geworden war.

In der Kontinuität der Wannseekonferenz? Das Landhaus Adlon in Potsdam.

Lichterketten und Partisanenlieder: Tausende Demonstranten vor dem Reichstag.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von NiUS

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von NiUS zu lesen.

Weitere Artikel