In der Kurve zeigt sich die Linientreue. Das ist einer der wichtigsten (inoffiziellen) Lehrsätze jeder linken Bewegung. Einerseits fordern linke Bewegungen von ihren Gefolgsleuten, ihrem Führer unbedingt zu folgen und seine Linie zu feiern. Doch ab und an ändert dieser Führer die Richtung, meist abrupt und ohne sich vorher mit all zu vielen Gefolgsleuten abzusprechen. Dann müssen die rasch einen anderen Weg einschlagen und ein anderes Lied anstimmen, um dem Führer noch zu gefallen. Viele deutsche Dissidenten, die als Linke in die UdSSR flohen, überforderte das, was sie wiederum das Leben kostete.
Carsten Schneider ist ganz gewiss linientreu. Das ebnete ihm den Karriereweg innerhalb der SPD. Als Ostbeauftragter unter Olaf Scholz (SPD) blieb der heute 50-Jährige blass. Trotzdem beförderte die Partei ihn unter der Kanzlerschaft von Friedrich Merz (CDU) zum Minister für Klimaschutz. Kein allzu wichtiger Posten, weil das Thema an Bedeutung verloren hat – aber immerhin Minister. Für einen, der im Wesentlichen immer gefolgt ist, ein Platz ziemlich weit vorne in der Formation der Partei.
Doch Schneider erkennt die Kurve nicht. Er ahnt sie zwar, sagt, Trump gehe es vor allem darum, zusätzliche Geschäfte mit dem Verkauf von Öl und Gas machen zu wollen. Es wirkt absurd, dass für einen Sozialdemokraten der Verkauf von Öl und Gas eine Frage der Ideologie ist. Aber genau das ist die Kurve, in die Schneider läuft, ohne es als Kurve zu erkennen – erkennen zu können. Für eine Mehrheit der Bürger ist es durchaus in Ordnung, Geschäfte zu machen und Wohlstand zu generieren. Die Angst vor dem Verlust des alten deutschen Wohlstands ist mittlerweile ein viel größeres Thema als der Klimaschutz.
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