Bilder machen Politik. Das ist gar kein so neues Phänomen. Schon britische Könige wie Heinrich VIII oder Elisabeth I haben durch ihre Porträts Aussagen darüber getroffen, wie sie ihre Untertanen regieren wollen. Entsprechend ernst zu nehmen – und verheerend – war das offizielle Bild, das die deutschen Staatsoberhäupter zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken aufnehmen ließen. Auf einer tieferen Ebene, weil sie sich auf einem leeren Platz inszenierten. Damit sendeten sie die Botschaft von abgehobenen, einsamen Oberen, die nur von einem Hofstaat umgeben sind, der aber unsichtbar bleibt.
Das Bild bot aber auch eine Botschaft an der Oberfläche: Unter den deutschen Staatsoberhäuptern ist kein Ostdeutscher zu sehen. Entsprechend gestaltete die damals amtierende Präsidentin des Bundesrats, Anke Rehlinger (SPD), die Feier zum Tag der Deutschen Einheit. Zum Kulturprogramm gehörte ein Saarland-Rap. Denn wenn sie rappen, so glauben Erwachsene, verschaffen sie sich Street-Credibility bei Jungen – blamieren sich aber unendlich vor ihnen. Textprobe: “Das ist Saarland, das ist Saarland, hier fließt saarländisches Blut durch die Adern.” Gänsehaut.
Mit dem Osten hatte die Einheitsfeier wenig zu tun. Nicht mit den Helden von 1989, die Mauer und SED-Diktatur zum Einsturz brachten. Nicht mal mit den Wirtschaftsdaten, die im Osten der Republik nach 35 Jahren immer noch eher schlechter sind als die im Westen. Stattdessen forderte Rehlinger am Tag der Freiheit ein Verbot der größten Oppositionspartei. Rehlingers intellektuelle Tiefe zu beschreiben ist eine rasch erledigte Aufgabe: Partei statt Perspektive. SPD statt Sachverstand.
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