Das Abschneiden gesunder Brüste ist jetzt Kunst. Aus der Abteilung „Kann das weg, oder wird es gerade deswegen fürstlich mit Steuergeld subventioniert“ bietet Berlin einen unendlichen Fundus an Kunstprojekten, deren Sinn nicht hinterfragt werden muss, schließlich tun das jene staatlichen Stellen, die das mit unser aller Geld großzügig finanzieren, ja auch nicht.
Gerade rüsten die Sophiensæle in Berlin als Veranstaltungsort für die Wiederaufnahme der Kunstperformance „CHICKS* freies performancekollektiv: MASTEKTOMIE. Ein bittersüßes Abschiedslied“. Eine laut Werbetext „Relaxed Performance“ bei der die Künstlerin Marietheres Mio Jesse den Abschied von ihren abgeschnittenen Brüsten gemeinsam mit dem Publikum in einer interaktiven Show begehen möchte. Ich zitiere: „Ölt unsere Narben, füllt unsere Badewanne mit Tränen, lasst uns die Lebenslust feiern und schmeißt euch in Schale. Herzlich willkommen zum feierlichen Abschiedsritual meiner Brüste, zum bittersüßen Neuanfang!“
Für jene, die verständlicherweise noch nie von den Berliner CHICKS* gehört haben sei erklärt, es handelt sich nach eigener Auskunft dabei um ein freies Performancekollektiv, in dem „diverse Expert*innen und interdisziplinäre Künstler*innen im Gedanken eines queerfeministischen Netzwerks“ vereint sind und mit Workshops, Seminaren und „Fortbildungen in den Bereichen queerfeministische sowie sexuelle Bildung“ die finanziellen Mittel des „Performativen Theaters für Jugendliche und Erwachsene, Profis und Laien“ ausgeben.
Die Berliner CHICKS* widmen sich nach eigener Auskunft „intensiven ästhetischen und inhaltlichen Rechercheprozessen“.
Die Beschäftigung mit Queer-Themen erfordert als Journalist die masochistische Praxis der Beobachtung der Szene und das Lesen einschlägiger Newsletter, Projekte, Programmvorschauen und Berichte aus dem bunten Regenbogenparalleluniversum. Wenn wir das schon alles bezahlen müssen, sollten wir wenigstens wissen, wo unser Geld verpulvert wird. Abseits des Lebens jener Menschen, die morgens aufstehen und hart arbeiten, um mit vernünftigen Berufen jene Steuereinnahmen zu generieren, mit denen dann queere Aktivistengruppen und selbsternannte Künstler das Geld über den Umweg diverser Kulturförderfonds wieder ausgeben können – ja, abseits dieses Lebens blüht eine ganze Szene, die sich in Seminaren, Fortbildungen und Kunstprojekten im wesentlich mit sich selbst, ihren Gefühlen und ihren vermeintlichen Diskriminierungen befasst.
Der Berliner Tagesspiegel bietet etwa den „Queerspiegel“ (Achtung Wortwitz!) als regelmäßigen Queer-Newsletter. Wir lernen dort ganz aktuell eine Menge über die vermeintliche Queerfeindlichkeit des ermordeten Charlie Kirk, aber auch, dass wir uns offensichtlich gerade im „Bi+ Visibility Month“, dem Monat der „Sichtbarkeit von bi, pan und allen sexuellen Identitäten, die mehr als ein Geschlecht begehren“ befinden. Das nutzte der Verein BiBerlin zur Umfrage unter ganzen 21 „unter anderem mehrfach marginalisierten Menschen“ in der Community, mit dem erschreckenden Ergebnis, „dass das Coming-out für Bi+ Personen zum Teil ein lebenslanger Prozess ist“. Außerdem sähen sich viele mit „Bi+ Feindlichkeit und Bi-Erasure konfrontiert“, auch innerhalb der queeren Community. Gut, zumindest für Letzteres können wir als heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft nicht.
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