Kinder lieben das Spiel „Blinde Kuh“. Einer bekommt die Augen verbunden und muss dann etwas finden. Gesteuert werden die Spieler durch Hinweise wie „kalt“, „warm“ oder „heiß“ – je nachdem, wie Nahe der Sucher dem Gesuchten kommt. SPD-Chef Lars Klingbeil hat bei Maybrit Illner Blinde Kuh gespielt. Die Moderatorin hat ihn gefragt, ob er glaube, dass es der AfD in den Umfragen helfe, wie bedingungslos die CDU in den Koalitionsverhandlungen der SPD nachgibt. Warm. Klingbeil antwortete, nein, das komme von dem Vertrauensverlust, den es in Deutschland gebe. Heiß. Ganz heiß. So nahe kommt dieser Tage nur selten ein Sozialdemokrat einer richtigen Erkenntnis.
Nur stolpert Klingbeil von jetzt an in die falsche Richtung und singt das Lied von der Schuld der anderen. Es gäbe rechte Netzwerke. Die arbeiteten im Geheimen und versauten so die Stimmung in Deutschland und nähmen vertrauenswürdigen Politikern wie ihm das wohl verdiente Vertrauen weg. Kalt. Richtig kalt. Klingbeil argumentiert wie ein Verschwörungstheoretiker. Der mutmaßt gerne, für den eigenen Misserfolg seien unsichtbare fremde Kräfte verantwortlich – sonst bliebe einem ja nur noch die eigene Unzulänglichkeit als Ursache. Und wer will sich die schon eingestehen?
Beim „Blinde Kuh“-Spiel wird gerne geschummelt. Am beliebtesten ist das Linsen. Der Spieler schaut unter der Binde durch, verschafft sich so klare Sicht und gewinnt damit die Partie. Doch an der Stelle muss der Text die Analogie verlassen. Denn bei der Blinden Kuh geht es darum, Übersicht zu gewinnen: durch Tasten, Auswerten der Hinweise oder halt durch Schummeln. Politische Akteure wie Klingbeil wollen gar keine klare Sicht mehr. Das ist ihr Problem. Das führt dazu, dass die Wähler ihnen gegenüber zunehmend das Vertrauen verlieren.
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