Zwischen Tiergarten und Landwehrkanal liegt der Bendlerblock wie ein stolzer, fauler Kater, lang und ausgedehnt. Hier ist der Berliner Ableger des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) zu Hause – formal zwar nicht dessen Hauptsitz, aber doch, so versichert man sich auf den Fluren gerne, der politisch relevantere Teil.
Will man hier einen Hausausweis beantragen oder zu Mittag essen, muss man die Stauffenbergstraße überqueren; wird man innerhalb einer Abteilung versetzt, kann man sich mitunter in Bonn wiederfinden. So ausladend der „Geschäftsbereich BMVg“ einem im räumlichen Sinne vorkommt, so akrobatisch ist auch der politische Spagat, den sein Minister an den Tag legen muss.
Das Bundesministerium für Verteidigung im Bendlerblock am Reichpietschufer in Berlin-Tiergarten.
Boris Pistorius scheint seit langem der erste Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt zu sein, der mit einer entsprechenden Beweglichkeit im Gestus gesegnet ist. Seine Vorgängerinnen (und Vorgänger) sind an dieser Form der Belastbarkeitsprüfung mal knapp, mal spektakulär gescheitert. Deutschlands beliebtester Politiker aber schafft es, mediale Minenfelder zu umgehen, und als kerniger Sozialdemokrat gleichermaßen ein traditionelleres Publikum anzusprechen, ohne dabei in das Fadenkreuz linker und maximal progressiver Kreise zu geraten.
Angesichts der Tatsache, dass das Ressort einen völlig diffusen, ja geradezu absurd gegensätzlichen Kurs in Fragen der „sexuellen Identität“ fährt – dem Aufreger-Thema unserer Zeit schlechthin – ist dieser Umstand ebenso überraschend wie unerklärlich. In kaum einem anderen Ministerium gibt es ein derartig beständiges Nebeneinander an historischem Fehlverhalten, persönlichen Skandälchen, politischer Possen und der nackten Notwendigkeit, sich wohl oder übel mit Sexualität zu befassen.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











