Die Börsen reagierten unmittelbar. Aber im Gegensatz zu den Folgetagen nach dem von Trump „Liberation Day“ genannten 2. April blieben die Rückgänge der Aktienkurse diesmal überschaubar. Auch der Bondmarkt blieb einigermaßen ruhig. Was gut für Börsianer sein mag, ist schlecht für Trump. Seine Drohungen werden offensichtlich nicht mehr Enrst genommen. Die Relativierung folgt jeweils auf dem Fuß – im Fall der EU-Zolldrohung schon zwei Tage später, am vergangenen Sonntag. Nicht vergessen hat der Markt auch die Niederlage, die er im Zoll-Kräftemessen gegen China erlitt.
Es wäre zu kurz gegriffen, diese Mechanismen bloß mit Abnützungsrhetorik („Achtung, der Wolf kommt“ – und dann kommt er nicht) zu erklären. Es steckt viel mehr dahinter. Die Hauptsorge des Marktes gilt nun einem anderen Thema: Den geplanten Steuererleichterung in den USA und der US-Staatsverschuldung. Das muss Trump in der Tat Sorgen bereiten.
Zwar hat das US-Repräsentantenhaus die „Big Beautiful Bill“ gebilligt, die Steuererleichterungen in der Höhe von 4,5 Billionen Dollar vorsieht. Doch damit würde der über 36 Billionen hohe Schuldenberg der USA weiter anwachsen; denn nichts deutet bislang auf signifikante Ersparnisse oder Ausgabenkürzungen im Haushalt hin. Nur ein paar Tage zuvor hatte die Ratingagentur Moody’s den USA die Top-Bonität entzogen und warnte vor dem Anstieg der US-Staatsschulden. Der Dollar fällt wieder, die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihen ist auf den höchsten Stand seit rund zwei Jahrzehnten. Die Nachfrage nach neuen 20-jährigen US-Staatsanleihen letzte Woche war schwach – das schlimmste, das Trump passieren kann, ist ein internationaler Käuferstreik.
In den USA wird bereits von einem Liz-Truss-Moment im Zeitlupentempo gesprochen. Die Kurzzeit-Premierministerin aus Großbritannien wollte im Herbst 2022 umfangreiche Steuererleichterungen durchdrücken. Der Bondmarkt reagierte mit einem massiven Ausverkauf von britischen Staatsanleihen, das britische Pfund sackte gnadenlos ab. Truss musste nach wenigen Wochen zurücktreten.
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