Optimisten hatten bis zum Schluss gehofft, dass die USA an Donald Trumps „Tag der Befreiung“ gegenüber den Handelspartnern und Verbündeten weniger drastische Zölle in Kraft setzen würden als seit einigen Wochen als Befürchtung im Raum standen. Aber am Mittwochnachmittag gab der US-Präsident Zölle in einer Höhe bekanntgegeben, wie sie die Welt seit dem 2. Weltkrieg nicht gesehen hat. Sie liegen zwischen 20 Prozent (EU) und 46 Prozent (Vietnam). Japan wurde mit 24 Prozent, Südkorea mit 25 Prozent, die Schweiz mit 31 Prozent und China mit 34 Prozent belegt. Für die ohnehin angeschlagene chinesische Wirtschaft sind die neuen US-Zölle Gift.
Pekings Antwort auf die von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch angekündigte Erhöhung der Zölle auf chinesische Importe ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Am späten Freitagnachmittag gab das Finanzministerium in Peking bekannt, die Zölle auf sämtliche Warenlieferungen aus den USA zu erhöhen. Die neuen Sätze sollen am 10. April in Kraft treten und orientieren sich offenbar exakt an den von Trump vorgestellten Zöllen auf Warenlieferungen aus China in die USA. China will zudem wegen der US-Zölle eine Klage bei der Welthandelsorganisation einreichen. Außerdem will China für sieben seltene Erden Exportkontrollen verhängen. Die betroffenen Mineralien finden unter anderem in der Rüstungsindustrie Verwendung.
Ferner hat Peking elf amerikanische Firmen, die in der Vergangenheit Waffen nach Taiwan geliefert haben, auf eine schwarze Liste gesetzt. Damit kann Peking die Firmen mit Sanktionen belegen. Staats- und Parteichef Xi Jinping scheint es jedenfalls auf eine offene Konfrontation ankommen zu lassen, ein möglicher „big deal“ wird immer schwieriger. Seit Trumps Amtsantritt am 20. Januar hatte Xi gehofft, mit Blick auf einen Handelskrieg das Schlimmste verhindern zu können. So hatte er die Absicht erkennen lassen, sich mit Trump treffen zu wollen. Tatsächlich erwirtschaftet China im Handel mit den USA einen gewaltigen Überschuss. Chinas Ausfuhren in die USA betrugen im vergangenen Jahr satte 438 Milliarden Dollar, die Importe lagen bei 143 Milliarden. Mit den jüngsten Erhöhungen der Zölle durch Washington liegt der durchschnittliche Zoll der USA auf Einfuhren aus China bei knapp 60 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass Chinas Wirtschaftswachstum dadurch um bis zu zwei Prozentpunkte geschmälert werden könnte.
Die Ankündigung von Gegenzöllen auf US-Importe durch China verschärfte den jüngsten Kurseinbruch an den New Yorker Börsen am Freitag noch einmal. Der Dow Jones Industrial sackte um weitere 5,5 Prozent auf 38.315 Zähler ab. Die hohen Verluste wurden von weit überdurchschnittlichen Handelsumsätzen begleitet, die wohl den Begriff Ausverkauf rechtfertigen, wie die Nachrichtenagentur dpa schrieb. Bereits am Vortag war der weltweit bekannteste Aktienindex um vier Prozent gefallen. Der Dow fiel am Freitag auf den niedrigsten Stand seit Mitte vergangenen Jahres. Mit einem Wochenminus von mehr als acht Prozent war es für den Dow die verlustreichste Börsenwoche seit Jahren.
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