Namentlich britische Vermögenswerte hob Fink hervor. Diese seien besonders unterbewertet. Das war – wie gesagt – im April, als die Finanzmärkte wegen der Zollpolitik weltweit eingebrochen waren. Danach stiegen die Börsenkurse wieder steil an, und seit Anfang des Jahres haben europäische Aktien durchschnittlich zehn Prozent zugelegt. Zwar hat die Wall Street mit einem Plus von sieben Prozent fast ebenso gut abgeschnitten – allerdings nur ohne Berücksichtigung der Währungseffekte; denn der Dollar hat gegenüber dem Euro seitdem rund 13 Prozent verloren. Währungsbereinigt bedeutet das: US-Anleger haben mit europäischen Aktien einen Gewinn von 23 Prozent erzielt. Umgekehrt sind europäische Anleger an der amerikanischen Börse in die Verlust gerutscht.
Dass die Wall Street an Gunst verliert, ist nach dem Boom der vergangenen Jahre allerdings nicht besonders überraschend. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich der S&P 500 Index glatt verdreifacht. In der gleichen Periode konnte das europäische Pendant, der Stoxx Europe 600, nur 40 Prozent gewinnen. Dieses Missverhältnis spiegelt sich auch in dem riesigen Unterschied bei den Bewertungen. Die Aktien im S&P 500 kosten laut Bloomberg derzeit das 22fache ihres Gewinns – was 30 bis 60 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt liegt. Dagegen sind europäische Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 wesentlich niedriger bewertet.
Wer Finks Ratschlag jetzt noch folgen und in europäische Aktien investieren will, sollte sie sich allerdings genau anschauen: Wie verletzlich ist die Firma, wenn der globale Handel einbricht? Und wie zyklisch ist die Branche, in der sie tätig ist? So scheint Fink mit seiner Vorliebe für Großbritannien ins Schwarze zu treffen: Der Leitindex FTSE 100 hat im Juli erstmals die Marke von 9000 Punkten geknackt. Die London Stock Exchange scheint von vielen Investoren als sicherer Hafen wahrgenommen zu werden. So konnte die Regierung bereits früh ein Handelsabkommen mit den USA abschließen. Dank der nach wie vor günstigen Bewertung trauen Analysten der britischen Börse weitere Kursavancen zu.
Nicht richtig auf Touren kommt dagegen die französische Börse. Symptomatisch ist der Verlauf beim weltgrößten Luxusgüterkonzern LVMH. Gegenüber dem historischen Höchststand ist der Kurs um fast die Hälfte eingebrochen. Der gesamte Sektor leidet unter der gesunkenen Nachfrage, namentlich aus China. Daneben bremst auch die fragile politische Lage in Frankreich die Entwicklung an der Börse – für das laufende Jahr wird ein Budgetdefizit von sechs Prozent des BIP erwartet.
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