Freitagabend, Magazin Royale: Jan Böhmermann reißt dem bislang anonymen YouTuber „Clownswelt“ die Maske herunter – Klarname, ungefährer Wohnort, Job, all das doxxt er live, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Fast zeitgleich legt Die Zeit mit einer Story nach, „besuchte“ sogar die Eltern des YouTubers, und serviert das Ganze dann als „Recherche gegen Rechts“. Fragwürdig.
Und das Ergebnis? Der Kanal des Gebrandmarkten explodiert um zigtausend neue Abos. Mittlerweile zählt „Clownswelt“ fast 450.000 Abonnenten, fast eine halbe Million. Streisand-Effekt in Echtzeit – mit dieser Aktion hat sich Böhmermann offensichtlich keinen Gefallen getan.
Trotzdem frage ich mich: Was darf „Qualitätsjournalismus“ benennen, der sich sonst „Haltung statt Hetze“ auf die Fahnen schreibt? Wie lange lässt das ZDF seinen wildgewordenen Hofsatiriker noch von der Leine, bevor ihm endlich jemand den Stecker zieht? Und ganz grundsätzlich: Wenn Doxxing und der öffentliche Scheiterhaufen jetzt endgültig bei ARD und ZDF zum investigativen Standard werden – wer von uns steht dann morgen auf der Abschussliste?
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