Es ist Friedrich Merz nicht zu verdenken, dass er seine ersten zwei Amtswochen hauptsächlich mit Reisen verbrachte. Paris, Warschau, Tirana und natürlich Kiew. Macron, Starmer und Tusk schienen es tatsächlich kaum erwarten zu können, endlich einen Vierten im Bunde zu haben, einen, der ihren großen Worten Richtung Moskau nun Taten folgen lassen wird, allerdings: Sie kennen Friedrich Merz nicht.
♦ Der sonnte sich zunächst im Lichte mitgereister Berichterstatter, und wir vermuten mal stark, dass jede seiner Reisen in den Nachrichten des Staatsfunks ausführlich gewürdigt wurde. Auch wenn er da, wo Weltpolitik gemacht wurde, nicht geladen war.
♦ Putin hatte direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in der Türkei vorgeschlagen, und Selenskyj, der schlaue Ukrainer, wartete vergeblich. Er hatte sich das wohl so gedacht: Er ist als Erster in Ankara und empfängt der Reihe nach den US-Präsidenten und den russischen und leitet dann Chef-mäßig die Verhandlungen. Der Kellner als Koch. Am Ende tagte lediglich eine Arbeitsgruppe eineinhalb Stunden lang. Die Russen sagten „Wir sind zufrieden“, aber „die europäischen Regierungschefs“ (eigentlich nur unsere berühmten Vier) waren es nicht, weil „die russischen Forderungen inakzeptabel“ seien. Dabei wurden laut offiziellem Protokoll keinerlei Forderungen verhandelt, sondern nur ein Gefangenenaustausch von je 1.000 Mann (entschuldigen Sie mein genderisch, verehrte Leser).
♦ Auch wenn sich Schland aus dem Ausland heraus leichter führen lässt, ist doch die gelegentliche Anwesenheit des Chefs unerlässlich, und sei es für den alten Brauch einer Regierungserklärung. Und da vernahm zumindestens „Bild“ „neue Töne“: Merz wolle Deutschland „stärker, wohlhabender, sicherer“ machen, so der Kanzler im Bundestag, und die deutsche Außenpolitik solle sich „vor allem von unseren Interessen“ leiten lassen. Der Kanzler wolle nichts Geringeres als einen neuen „Wohlstand für alle“, was sich im Merz-Deutsch so anhört: „Wir wollen regieren, um das Versprechen vom „Wohlstand für alle“ zu erneuern“, heißt: Wir wollen das Versprechen erneuern, nicht den Wohlstand. Wie auch? Offenbar mit „Bauen, Bauen, Bauen“ und Wirtschaftswachstum. Beim Wachstum solle Deutschland sogar eine Lokomotive werden, auf die „die Welt mit Bewunderung schaut“. Mit Fritz als Lokführer und Lars als Heizer. Tutuuut. Die Menschen sollen, so Fritz, „schon im Sommer spüren: Es geht voran“. Hm. War es unbedingt nötig, den ersten Prüftermin für seine Leistungsfähigkeit gleich festzulegen?
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